RE: RE: 😏 Wünsche allen einen schönen 1. Advent gehabt zu haben...
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RE: 😏 Wünsche allen einen schönen 1. Advent gehabt zu haben...

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Moin, also erst mal möchte ich mich entschuldigen, wenn meine letzte Antwort etwas "hart" war, aber ich habe schon so einiges durch gemacht im Leben und oft kommt dann das Argument -"Da kann ja nicht sein" - "da muss es doch eine Lösung geben" oder ähnliches. Da wird man dann irgendwann ziemlich allergisch ;)

Venezuela ist da eine ganz andere Baustelle. Das hat aber etwas mit dem politischen System und dem Einfluss der "Demokratiebomber" aus Nordamerika zu tun. Venezuela sitzt auf grösseren Erdölreserven, wie Saudi Arabien und für die Gringos ist das a) vor der Haustüre und b) haben die nach ihrer Meinung nach scheinbar das Anrecht auf das schwarze Gold weltweit.

Venezuela ist da weiter voraus, wie D-Land. Dort kannst du viele Dienstleistungen oder auch Ärzte mit BTC bezahlen. Venezuela wollte/will eine eigene Kryptowährung etablieren und das Erdöl nicht mehr gegen die windigen Dollars verkaufen, sondern gegen ihren "Petro", der dann mit Erdöl als Sicherheit hinterlegt ist. Das war deren Genickbruch, denn das passt den US-Boys gar nicht in den Kram und aktuell haben die dort seit Jahren eine Megainflation. Die eigene Währung Bolivar ist nichts mehr wert. Als Beispiel von jemanden, der auch hier auf Steem unterwegs ist. Der ist Ingenieur in leitender Funktion und der Gegenwert seines Gehaltes in Landeswährung ist auf 4 Dollar abgerutscht. Aber nicht pro Stunde, sondern sein Monatsgehalt.

Da kannst du dir ausrechnen, was für den Kryptos im Wert von nur einem Dollar bedeuten. Damit kommst du dann wenigstens noch an Medikamente, ärztliche Versorgung oder auch Lebenmittel. Deshalb ist liegt der BTC Kurs in Venezuela auch ca 2.000 Dollar über dem"normalen Kurs". Die Preise haben sich natürlich nicht geändert und stell dir vor dein Monatsgehalt als Ing. hat nur noch den Gegenwert von einem halben Kilo Fleisch plus ein Kilo Kartoffeln. Dann hast du aber ein Problem.

Jetzt würde jeder sagen, dann würde ich den Job schmeissen, aber was willst du dann machen? Damit kommst du ja auch nicht weiter.

Gold bekommst du hier in Paraguay an jeder Strassenecke getauscht. Da gibt es selbst in den kleinsten Städten An/Verkäufer in kleinen Lädchen oder auch Pfandleiher, wie es in D-Land Dönerläden gibt. Beim Pfandleiher bringen die das halt hin und holen es aber dann nie mehr ab. Das liegt aber auch an der Vergangenheit und Geschichte von Paraguay. Hier gibt es bis heute wohl noch Tonnenweise Gold, was irgendwann von den Jesuiten oder auch der indigenen Bevölkerung beim Einmarsch der europäischen Truppen in Südamerika vergraben wurde. Auch im Tripel-Allianz-Krieg Ende des 18. Jahrhunderts zwischen Paraguay und der Gegenseite bestehend aus Brasilien, Argentinien und Uruguay wurde viel vergraben, um es dem Feind nicht zugänglich zu machen. Auch natürliche Goldvorkommen sind hier noch am Start.

Offiziell muss das dem Staat gemeldet werden, der dann davon einen dicken Teil einkassiert, aber macht natürlich kein Mensch. Oder kaum jemand, bzw wenn, dann nur einen Bruchteil. Das ist halt eher so eine Schattenwirtschaft.

Wenn du es "ungemeldet" oder ohne Nachweis (z.B. Erbschaft von Schmuck oder ähnliches) verhöckern willst, dann sinkt natürlich der Preis, aber das bleibt sich ja egal, ob du es offiziell tauschst und ein Teil an den Staat wandert oder ob du es inoffiziell machst und dann eben weniger bekommst.

Paraguay hat da sowieso eine Art "Sonderstatus". Die waren auch mal eine Zeit lang aus dem Mercosur ausgeschlossen, weil sie gewisse Dinge nicht akzeptieren wollten. Mercosur ist quasi sowas wie die europäische Handelsunion für Zollregulierungen und andere internationale Handelsregelungen. PY ist auch in den wenigsten weltweiten Klüngelclubs vertreten, weil sie sich gewisse Rechte nicht nehmen lassen wollen, die ein solcher Beitritt zu einem solchen Verein mit sich bringt.

Der Nachteil für mich persönlich sind halt jetzt die neuen Gesetze bezüglich der Überwachung des Geldverkehrs in EU/US etc. In dem Club ist PY nämlich auch nicht drinne. Du bekommst auch als Ausländer nicht einfach so mal eben ein Bankkonto hier eröffnet. Das ist ein riesen Papierkrieg und es kann dann durchaus passieren, dass du erst mal nur Inlandsgeldverkehr händeln darfst.

Für jeden einzelnen Dollar/Euro, der aus dem Ausland auf das Konto fliessen soll, musst du einen Beleg anschleppen, warum, wieso und woher die Kohle kommt. Das gilt selbst für die EU Rentner, die hier leben. Deutschsprachige stellen hier den grössten Ausländeranteil und die müssen dann Rentenbescheid, etc dort vorlegen und wehe der Betrag stimmt nicht auf den Cent genau. Dann lassen die das auch mal zurück gehen. Die Gebühren sind natürlich auch exorbitant. Kenne da einige Fälle, wo dann das Geld Wochen unterwegs war und hier nicht ankam. Aber die Gebühren von allen teilnehmende Bankstern wurden natürlich einbehalten. Nach dem Motto Geld kam digital nie hier an, aber beim Absender kommen dann von 500 gesendeten Euronen nur noch 420 wieder zurück, nachdem sich jeder seine Gebührenanteil abgezogen hat :)

Selbst bei den Einheimischen ist der Anteil derer, die ein Bankkonto haben, extrem gering. Hier läuft quasi alles bar. Maximal haben die eine Art "Prepaid-Bankkarte" vom Arbeitgeber, damit ein grösserer Laden nicht soviel Bargeld am Monatsende rumkutschern muss. Da drauf wird dann der Lohn gebucht, den sie dann am Bankomat abheben können. Ist aber nur bei grossen Firmen. Bei kleineren Läden läuft alles cash. Hier gibt es ja auch noch eine Menge "Tagelöhner". Da gibts dann am Ende des Tages die Kohle für den Tag oder bei längeren grösseren Arbeiten halt am Wochende, so wie vor 60-70 Jahren in D-Land. Da gabs ja dann auch die typische Lohntüte.

Hier hat auch kein Mensch einen Breifkasten. Post in dem Sinne gibt es hier nicht, bzw Briefträger. Wenn du Post erwartest oder versenden willst, dann gehst du zum Postamt in der Stadt. Post bekommst du aber in der Regel nicht. Du zahlst deinen Strom und das Wasser in bar, genauso wie deine Rechnung für deinen Internetanschluss. Dafür gehst du eben zur entsprechenden Stelle in der City. Strom oder Wasser kannst du zum Teil auch in den grösseren Supermärkten einzahlen.

Rechnungen bekommst du in der Regel dort auch nicht. Wenn du einen solchen Beleg benötigst, dann gehst du eben direkt zu der zuständigen Zahlstelle und bekommst deinen quittierten Beleg mit deiner Kundennummer und deiner Anschrift. Das machen aber nur die Selbstständigen, weil die eben alles gegen rechnen können, wofür sie einen Beleg haben. Da wird auch kein grosser Unterschied gemacht, ob das jetzt Geschäfts- oder Privatkosten sind. Frei nach dem Motto: Einnahmen minus Ausgaben = zu versteuernder Gewinn. So einfach können Steuergesetze sein.

Für den typischen Deutschen kaum vorstellbar, aber du glaubst gar nicht was das für eine Befreiung war. Du gehst halt einmal im Monat los und machst deinen Rundgang, bezahlst Wasser, Strom und Inet, insofern vorhanden und das wars.

Einer der Gründe warum ich hier gelandet bin ist, dass du hier noch halbwegs frei bist. Die Gesetze von PY passen im Vergleich zu D-Land auf einen Bierdeckel. Hier gibt es auch nur 2-3 Steuerregulierungen. Die IVA - was so wie die Mwst ist. Lebensmittel etc 5% alles andere 10%. Dann gibt es noch die Einkommensteuer für Firmen und Selbstständige. Die geht von 10% bis zu 30% aber um die 10% zu übersteigen musst du schon extreme Umsätze schieben und wie oben erwähnt, kannst du eben alles gegen rechnen, was du an Ausgaben hattest. Damit kann man doch gut leben und dann zahlt man seine Steuern auch "gerne" wenn man nicht bis aufs Unterhemd vom Staat ausgezogen wird.

Tabaksteuer und der ganze andere Raub am Bürger gibt es hier nicht. Hier kostet eine STANGE Kippen umgerechnet 3,50 Euro. Wenn du dir den Luxus gönnen möchtest und nicht die einheimischen, sondern Marlboro oder andere Exportziggen zu rauchen, dann kostet es das Doppelte. Aber im Vergleich zu D oder EU kann man als Raucher mit 6-7 Euro pro Stange auch ganz gut leben.

Lohnsteuer gibt es hier auch nicht. Wollten die mal einführen, aber da war gleich das ganze Volk auf den Beinen und da hat es aber gebrannt vor dem Präsidenten Palast. Den Plan haben die Politiker ganz schnell wieder in die Schublade gepackt. Das Argument der PYer - wir zahlen doch keine Sklavensteuer von unserem Arbeitslohn, damit sich die Senadores noch mehr in die Tasche wirtschaften können.

PY ist auch eines der ganz wenigen Länder auf der Erde in dem die ursprüngliche indigene Sprache neben dem Spanisch noch als Amtssprache gilt. Wenn es um ihre Freiheit oder Maßregelungen von Oben geht, dann lassen die sich hier nicht so leicht auf der Nase rum tanzen.

Hui - gerade gescrollt und gesehen, wie lang die Antwort nun geworden ist.
Daher jetzt kurz und bündig der Abschluss und viele Grüße über den grossen Teich :)

@peppermint24: Moin, also erst | Ecency