Entspannt, Vorsicht waltend und recht locker, erlebte ich die ersten lockeren Tage, der staatlich verordneten Lockerungen.
Der Anblick all der Maskierten in den Geschäften irritierte mich keineswegs, eher war ich amüsiert darüber und selbst eine Maske aufzusetzen fiel mir leicht, war ja schließlich nicht das erste mal, nur das ich diesmal Anerkennung dafür ernte und nicht bestraft werde.
Wie schnell sich doch die Zeiten ändern.
Schnell ging es auch mit den Job Angeboten.
Grundsätzlich bin ich ja sehr dankbar darüber, wenn jemand meine Hilfe braucht und mich dafür auch noch bezahlen will.
Allerdings sprach es sich schon vor einigen Jahren schnell herum, das man den Muelli spontan für einen Arbeitseinsatz buchen kann und das ohne jeglichen bürokratischen Aufwand.
Ein Anruf genügte.
Blöderweise kam es irgendwann so weit, das das Telefon nicht mehr still stand und ich so viel Arbeitsangebote bekam, das es mir regelrecht schlecht wurde.
Dazu muss ich kurz erklären, wie es dazu kommen konnte!?
Irgendwann war ich es leid, jeden Tag zur selben Stunde den Wecker zu hören, auf Arbeit zu gehen, die selben Gesichter zu sehen, das sich ewig wiederholende Handwerk abzuliefern, vorzutäuschen das ich es beherrsche, wie liebe und dafür beschissen bezahlt werde.
Es war ein guter Job, das Arbeitsklima stimmte, der Chef ein Freund und trotzdem bekam ich nach schon 3,5 Jahren ( mein längstes offizielles Arbeitsverhältnis im Leben ), etwas was ich bis dato noch nicht kannte.
DEPRESSIONEN.
Das lag wohl hauptsächlich daran, das ich vor Energie und Ideen für neue Sachen sprühte, aber bemerkte das ich keine Zeit dafür haben werde, wenn ich weiter mache wie bisher.
Es bedurfte keiner langen Überlegungen und schon kurz nachdem ich bemerkte das ich ernsthaft traurig werde, reichte ich zum Entsetzen der Mannschaft die Kündigung ein.
Ein wirklicher Plan B existierte nicht und somit stürzte ich mich ins Blaue, in eine ungewisse finanzielle Zukunft und lief zur Höchstform auf, bestens gelaunt.
Die ersten Wochen verkaufte ich allerlei Gerümpel auf den Flohmärkten, machte ein paar Fahrer Jobs zum Flughafen und begann zuhause eine Infrastruktur zum Überleben aufzubauen.
Oft brauchte ich dafür erst einmal mehr Geld als ich hatte, also begann ich mich im Bekanntenkreis zu empfehlen, in dem ich sie darauf hinwies, das ich für ein faires Endgeld zu fast jeder Schandtat bereit sei.
Schnell folgten die Angebote.
Ein Dach decken, Streicharbeiten, Garten Jobs, Vertretungen im Restaurantbetrieb usw., jeweils nur für einen kurzen Zeitraum, mal ein Tag, mal eine Woche, oder aber auch nur für ein paar Stündchen.
Der große Vorteil war, das ich, wenn ich genug Kohle zusammen hatte, einfach keine Angebote mehr annahm und mich wieder meinem Lande widmete.
Es entstand ein sehr großer Garten, Hühner und Schweine wurden gekauft und aufgezogen, beides zusammen brachte genug Nahrung zum überleben.
Eine kleine Destille wurde, nachdem ich die Kunst des Schnaps brennen erlernte, eingerichtet und schnell wurden meine Edelbrände zu Verkaufsschlagern.
Auch meine Kombucha Produktion, die bis dato lediglich für den Eigenbedarf gedacht war, wurde aufgrund immer größerer Beliebtheit ausgeweitet und bald schon vertickte ich den fermentierten Tee im Freundeskreis.
Zwischendurch immer wieder mal ein Job.
Für alle Beteiligten war es vorteilhaft, einen Typen wie mich zu haben.
Mir ging das Geld nicht aus, da die Nachfrage nach meiner Arbeitskraft deutlich über dem lag, was ich hätte bewältigen können und wollen, zum anderen freute sich jeder Chef einer Firma, über diesen immer noch günstigen, wie spontanen Zugriff auf mich, der stets verlässlich war / ist, wenn ich zusagte.
Im Laufe der Jahre, ich hatte mich soweit eingerichtet fast unabhängig von auswärtigen Arbeiten zu sein, erschuf ich das meiste was man zum Leben braucht, auf dem eigenen Land und konnte die anfallenden Überschüsse für genug Geld verkaufen, um laufende Kosten finanzieren zu können.
Irgendwann begann ich mir nur noch die Perlen auf dem Arbeitsmarkt heraus zu suchen und arbeite heutzutage eigentlich nur noch für engere Freunde, in Notfällen und bei außergewöhnlich gut bezahlten Jobs, wie zum Beispiel auf dem Messebau.
Das klingt ja als wäre ich reich und hätte es geschafft.
Glaubt mir, von finanziellem Reichtum bin ich sehr weit entfernt, es ist wohl eher das Gegenteil.
Geschafft habe ich es aber, zumindest niemanden Sklave mehr zu sein und weitestgehend selbst bestimmen zu dürfen, wie ich mein Leben gestalte.
Höre ich da jemanden rufen, der Kerl sei arbeitsscheu?
Das bin ich nicht.
Diesen Weg den ich für mich gewählt habe und der mich glücklich macht, die Depressionen zur Lächerlichkeit verdammt, riskant, wie nicht jedermanns Sache ist, ist nicht der einfachste und es bedarf unheimlich viel Arbeit, ihn zu erkunden.
Aber es ist eine Arbeit die befriedigt und mir sinnvoll erscheint.
Sinnvoll oder nicht, gestern war es mal wieder soweit.
Ein guter Freund, welcher seinen Unterhalt mit verschiedensten Dingen wie dem Vertrieb und den Montagen von Solaranlagen, sowie LKW Transporten von Portugal nach Deutschland und zurück verdient, steckte durch den staatlichen Lockdown etwas in der Krise.
Viele Aufträge lagen auf Eis und seit Montag darf er wieder, ist aber auf fremde Hilfe angewiesen um den Kram schnell abzuarbeiten.
So erklärte ich mich bereit bei zwei Einsätzen mitzuhelfen, Montag Solaranlage und Mittwoch Möbelpacker, für einen Umzugstransport nach Deutschland.
Lockere Jobs, für hiesige Verhältnisse mit 10 Euro Cash die Stunde nicht schlecht bezahlt, überschaubar und zu den Möbeln gab es sogar noch ein Mittagessen, sowie ein fettes Trinkgeld obendrauf.
Das reicht dann aber auch erst einmal wieder, ich habe genug im Garten und mit der Landreinigung zu tun und auch der Atlantik, welchen man wieder befischen darf, wartet auf mich.
Auch ein paar große Fische, lassen sich gut verkaufen.
UND ALS WÄRE DAS NICHT ALLES SCHON GENUG, muss es ja auch weitergehen mit …
Euch einen lockeren Tag und bleibt fröhlich, wie gesund! 😎
( Fotos: @muelli )