Ich schalte CarPlay ein – und Microsoft zeigt mir die Zukunft von Copilot
Mittwochmorgen. Ich steige ins Auto, verbinde das iPhone, CarPlay startet. Routine.
Dann erscheint auf dem Display etwas, das ich so noch nicht gesehen hatte: Die Microsoft 365 Copilot App – mit einem Preview-Screen. „Bald verfügbar. Behalten Sie Ihre Arbeit im Blick, stellen Sie Fragen und brainstormen Sie freihändig mit Copilot.”
Ich habe den Screenshot gemacht. Und dann nachgedacht.
Was ich da gesehen habe – und was es bedeutet
Das war keine offizielle Ankündigung. Kein Microsoft-Blogpost, kein Roadmap-Eintrag. Nur ein Placeholder in einer App, den die meisten Nutzer wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen – weil die wenigsten die M365 Copilot App in ihrem CarPlay-Dock haben.
Aber genau das macht es interessant.
Microsoft hat diesen Hinweis bewusst platziert. Nicht weil es technisch notwendig wäre, einen leeren Screen zu befüllen. Sondern weil die Botschaft stimmen soll: Copilot gehört dorthin, wo du bist. Auch ins Auto.
Ich begleite Unternehmen seit über zwei Jahren bei der Copilot-Einführung. Und eine Frage höre ich immer wieder: „Ist das wirklich mehr als ein besseres Autocomplete?”
Dieser Screenshot ist meine neue Antwort darauf.
Copilot ist keine Funktion mehr – es ist eine Plattform
Ich erlebe das täglich in meiner Arbeit. Was vor einem Jahr noch ein „KI-Assistent in Word” war, ist heute eine Schicht, die sich durch den gesamten Microsoft-Stack zieht:
In Teams: Meetings werden zusammengefasst, Aufgaben erkannt, Folgeanfragen direkt im Gesprächskontext beantwortet. Ich nutze das nach jedem Call – nicht optional, sondern als festen Teil meines Workflows.
In Outlook: Copilot priorisiert, schlägt Antworten vor, fasst lange Threads zusammen. Wer täglich 80+ Mails bekommt, weiß, was das bedeutet.
In der M365 Copilot App: Seit April 2025 gibt es die zentrale App, die Chat, Agents, Suche und Produktivitätstools bündelt. Auf dem Desktop, im Browser, auf dem iPhone. Und bald eben auch im Auto.
Das ist kein Zufall. Das ist Architektur.
Der dritte Arbeitsplatz
Microsoft spricht intern und zunehmend öffentlich vom Auto als „drittem Arbeitsplatz” – nach Büro und Homeoffice. Gemeinsam mit Mercedes-Benz wird an einer vollständigen Teams- und Copilot-Integration gearbeitet: Meetings per Fahrzeugkamera, E-Mail-Zusammenfassungen per Sprachbefehl, Aufgabenverwaltung freihändig.
Für mich als jemand, der viel im Auto unterwegs ist – und dabei ständig zwischen „ich müsste eigentlich kurz…” und Verkehrssicherheit abwägt – ist das kein Marketing. Das ist ein echtes Problem, das endlich eine sinnvolle Lösung bekommt.
Nicht weil ich im Auto arbeiten will. Sondern weil Vorbereitung, Nachbereitung und kurze Orientierungen zwischen Terminen genau dort passieren, wo ich bisher auf mein Gedächtnis oder unsichere Schnellblicke aufs Telefon angewiesen war.
Was das für die Copilot-Einführung in Unternehmen ändert
Ich spreche das an, weil es direkt relevant ist für alle, die Copilot gerade ausrollen – oder darüber nachdenken:
Copilot ist kein Projekt mit Abschluss. Es ist eine Infrastrukturentscheidung. Was heute in Teams und Outlook anfängt, wird morgen im Browser, auf dem Desktop und übermorgen im Auto weitergehen. Wer jetzt die Grundlagen nicht legt – Datenstruktur, Berechtigungen, Nutzer-Onboarding – kauft sich technische Schulden, die mit jeder neuen Copilot-Funktion größer werden.
Die Nutzung entscheidet, nicht die Lizenz. Das erlebe ich in jedem Workshop: Unternehmen haben die Lizenz, aber die Mitarbeitenden wissen nicht, was sie konkret damit anfangen sollen. Copilot im Auto ist in dieser Hinsicht eine Chance – weil der Anwendungsfall so greifbar ist, dass selbst skeptische Kollegen sofort verstehen, worum es geht.
Der Wow-Moment funktioniert. Ich habe meinen CarPlay-Screenshot auf LinkedIn gepostet. Fast 10.000 Impressions, 18 Kommentare – für einen technischen Post ohne Algorithmus-Schmankerl. Das Thema trifft etwas. Nutze das, wenn du intern für Copilot wirbst.
Was ich mir von Microsoft noch wünsche
Ehrlichkeit über den Zeitplan. Der „Bald verfügbar”-Screen ist seit einigen Wochen zu sehen – ein konkretes Datum gibt es nicht. Microsoft bestätigt selbst, dass die Copilot-Sprachfunktion über CarPlay aktuell noch nicht verfügbar ist.
Das ist okay. Preview-Screens dürfen sein. Aber wer den Screenshot sieht und denkt, er könne morgen freihändig mit Copilot brainstormen – der wird enttäuscht.
Die Vision stimmt. Das Timing bleibt vage.
Fazit
„Ich bin seit über 30 Jahren in der IT unterwegs – und habe dabei viele Trends kommen und gehen sehen. Was gerade mit Copilot passiert, fühlt sich anders an.”
Nicht weil die KI so toll ist. Sondern weil Microsoft konsequent daran arbeitet, sie überall verfügbar zu machen, wo Menschen tatsächlich arbeiten – und nicht nur dort, wo IT-Abteilungen Server stehen haben.
Das Auto ist ein kleines Symbol dafür. Aber Symbole sagen manchmal mehr als Roadmaps.
Ich bin Michael Reischer, Copilot- und Teams-Spezialist aus Berlin. Ich begleite Unternehmen bei der KI-Readiness und Copilot-Einführung – von der Strategie bis zum Workshop. Wenn dich das Thema beschäftigt: reischer.info