Das Thema Tod - der "große Abschied" - beschäftigt mich seit meiner Kindheit. Genauer, seit ich meine Mutter damals fragte, was denn nach dem Tod ist. Ihre pragmatische Antwort:
Nichts ist dann, es ist wie schlafen.
Dieser Satz hat mich echt geschockt. Ich konnte mir kein "Nichts" vorstellen. Es wollte einfach nicht in meinen Kopf hinein. Und auch nicht mehr heraus. Ich bin allein zum Kindergottesdienst gegangen mit dieser Frage im Kopf. Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass ich keine Antworten bekomme.
Seit der Zeit suche ich den Sinn des Lebens. Wie kann es sein, dass Kinder verhungern, Kriege geführt werden und es so wenig Freude für viele Menschen gibt??? Wozu das Ganze dann überhaupt???
Inzwischen weiß ich, dass das Leben viel Gutes bereit hält, aber immer mal wieder mit einem sogenannten Schicksalsschlag alles wieder umwirft. Menschen kommen und gehen in mein Leben und nicht jeder Abschied ist leicht (und gewollt). In den letzten Jahren habe ich gelernt los zu lassen. Im Festhalten Wollen liegt der Schmerz. Die Erinnerungen sind immer mal wieder da und ich lerne, mich auf mein Leben im Hier und Jetzt zu konzentrieren. Die Vergangenheit ist vorbei und was morgen ist, kann ich nicht wissen.
"Das Leben ist wertvoll" schreibt @seo-boss in seinenm Artikel. Schicksalsschläge machen demütig und das eigene Leben will gelebt werden. Und wertgeschätzt werden. Was ist mir wirklich wichtig? Wo will mein Leben mit mir hin? All diese Fragen tauchen wahrscheinlich bei vielen Menschen auf. Aber - wer hat Zeit für ein Hinspüren? Wo ist der Raum für diese Gedanken?
Ein schöner Song zum Innehalten an dieser Stelle. Echt mit (Bye bye) "Junimond".
Vielleicht ist es eine gute Idee sich einmal ganz heraus zu ziehen aus Ablenkung und Hamsterrad. So wie wir es jetzt bei @jeenger lesen, der einfach (?) mal für ein halbes Jahr auf Internet etc. verzichten will. Da wird wahrscheinlich jede Menge Zeit frei für besondere Gedanken. Oder wie die Aussteiger (Familien, Paare oder Single), die sich frei in der Welt bewegen wollen...
Zeit zu gehen"? Zeit etwas zu verändern? Zeit etwas los zu lassen? Zeit das eigene Leben wert zu schätzen?
Eine Antwort zu Abschied und Lebenssinn habe ich in einem wunderschönen Gedicht von Hermann Hesse gefunden. Vielleicht berühren euch seine Zeilen auch?
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
'Hermann Hesse*
Dein Leben ist wertvoll von @seo-boss
Zeit zu gehen - machen wir ein Spiel von @jeenger
Mein Abschiedsfoto vom Steem.camp und ein Blick nach vorn