Je weniger man sich an die Gepflogenheiten einer Gesellschaft anpasst, desto mehr wird man zum Außenseiter ...
Das Schöne ist ja, dass diese angeblich homogene Gesellschaft nicht existiert, weswegen ich auch nicht zum Außenseiter werde (abgesehen davon, dass ich persönlich kein Mensch bin, der viele soziale Kontakte braucht). Die Heterogenität der Gesellschaft garantiert mir eine ausreichend große Menge an Mitmenschen, die ebenfalls nicht den Normen einer angeblichen 'Leitkultur' entsprechend leben.
Sie mag durch und durch Indonesierin sein ...
Sie ist ein Mensch (Homo sapiens, genau wie ich) und zugleich ein einzigartiges Individuum (wohingegen der Begriff "Indonesierin" letztlich keine für mich relevanten Informationen in sich trägt) mit ausreichend vielen Interessensüberschneidungen, um ein Leben mit mir ertragen zu können. :)
Ich bin mir sicher, mit einem Großteil aller deutschen Frauen würde das nicht funktionieren (obwohl die vermutlich auch gut "integriert" sind): Vom spezifischen Individuum hängt's ab!
... es ist nunmal menschlich, dass die grössere oder stärkere Gruppe die kleinere oder schwächere verdrängt.
Ja, es ist ein Fluch der Menschheit, immer nach Gruppenzugehörigkeiten zu suchen ("Wir gegen die!", irgendwie primitiv). Es geht ja immer weiter: Linke gegen Rechte, Männer gegen Frauen, Christen gegen Muslime gegen Atheisten ... das führt soweit, dass viele Menschen Äußerungen anderer nur deshalb ablehnen, weil sie verschiedenen Gruppe angehören, aber nicht, weil sie falsch wären.
Deshalb finde ich meine Idee so faszinierend, von Gruppenzugehörigkeiten nach dem groben Strickmuster "Der da gehört zu 'uns', aber der dort nicht!" wegzukommen und Menschen einfach als Individuen wahrzunehmen und zu bewerten, die mit vielen verschiedenen anderen Individuen bestimmte Schnittmengen aufweisen.
Für mich ist der Knackpunkt von Migration vielmehr ein Ressourcenproblem. Zugvögel sind zum Beispiel frei, kennen keine Grenzen, würden aber trotzdem nicht einfach irgendwohin ziehen, wo sie nichts zu fressen finden. Auf den Menschen übertragen heißt das, dass jemand, der die Anforderungen nicht erfüllt, um in einem anderen Land gut leben zu können, dort ohnehin nicht erfolgreich sein würde. Es würde Millionen von Indonesiern überhaupt nichts bringen, ohne Sprachkenntnisse und entsprechende Ausbildung nach Deutschland umzuziehen, außerdem könnten sich die meisten schon den Flug nicht leisten und müssten ihre Familien verlassen, also warum sollten sie das tun? Und: Warum sollten sie es nicht tun, sofern sich die Bedingungen veränderten und plötzlich irgendwo auf der Welt dringend Arbeitskräfte benötigt werden würden?
Flüchtlinge wären ein extra zu diskutierender Sonderfall.
RE: Gedanken zu Kultur, Identität, Loyalität.