Der Respekt für eine künstliche Verfassung als Minimalkonsens reicht hier noch lange nicht aus!
Genau an dieser Stelle trennen sich unsere Meinungen.
In meinen Augen entscheidet letztlich (und einzig) das Gesetz, was akzeptabel ist und was nicht.
Sonst könnte ja jeder kommen und mich zum Sonntagskirchgang oder Biertrinken verpflichten, nur weil das in 'westlich-christlich geprägten' Gesellschaften eben so üblich sei. STOPP!
Genau für dieses, von dir als unzureichend betrachtete minimale und auf das Notwendigste beschränkte Regelwerk plädiere ich, um dem Individuum eine maximale Freiheit seiner Lebensgestaltung zu ermöglichen.
Insbesondere dort jedoch, wo die Freiheiten anderer durch das hemmungslose Ausleben eigener Freiheiten eingeschränkt werden würden, hat es streng zu sein.
aber noch sind die Unterschiede deutlich und das ist gut so!
Und ganz besonders "gut" und interessant sind die Unterschiede zwischen Individuen mit völlig verschiedenen 'Mikrokulturen', also z. B. zwischen Deutschen wie dir und mir. :)
Das sich statistisch gesehen die 'Mikrokulturen' zweier beliebig herausgegriffener Deutscher vielleicht etwas weniger stark unterscheiden als zwischen einem Deutschen und einem Indonesier, ändert nichts an den Tatsachen, dass es ...
a) dennoch Deutsche und Indonesier gibt, die sich ähnlicher sind, als manche Deutsche anderen Deutschen, und dass sich ...
b) die 'Mikrokulturen' ausnahmslos aller Menschen stark voneinander unterscheiden, wobei zwischen den verschiedenen Individuen lediglich die Größe der jeweiligen Schnittmengen (gemeinamen Interessen, Ansichten etc.) variiert.
Und selbst dort halten sich hartnäckig zig-tausende "Töpfchen-Deckelchen"-Inseln ...
Ja, die mögen sich halten, aber das heißt doch noch lange nicht, dass die in diesen Inseln lebenden Menschen homogene 'Wertegemeinschaften' darstellten! Jemand lebt dort vielleicht, weil schon seine Eltern, z. B. der Sprache wegen, dort hinzogen, lernt dort viele seiner Freunde kennen und doch wählt er eine andere Partei als sein Nachbar, verurteilt die von diesem gelobte chinesische Politik und interessiert sich im Gegensatz zu letzterem nicht für chinesische Geschichte. Vielleicht ist er auch gerade zum Christentum konvertiert ... man weiß es nicht. :)
Multi-Kulti ist eben nur ein frommer Wunsch.
Wie würdest du z. B. meine Familie nennen, wenn nicht "Multi-Kulti"? Es gibt zahlreiche Beispiele für Individuen aus verschiedenen Ländern, deren 'Mikrokulturen' hinreichend viele Schnittmengen aufweisen, um ein angenehmes Zusammenleben zu ermöglichen, aber auch für andere, wo das nicht der Fall ist (zum gleichen Ergebnis kommt man übrigens bei der Betrachtung rein 'biodeutscher' Paare).
Mir ging es aber in meinem Artikel letztlich gar nicht um eine politische Aussage zu "Multi-Kulti", sondern um die Betrachtung jedes einzelnen Menschen als einer eigenständigen 'Kultur'.
Werde ich Dich je davon überzeugen können?
In meinen Augen gibt es ca. 7,8 Milliarden Kulturen auf der Erde und folglich wohnt jeder Begegnung zwischen zwei Menschen ein multikulturelles Element inne ...
Dir auch einen schönen Sonntag, mein von mir kulturell verschieden denkender Freund! :)
RE: Gedanken zu Kultur, Identität, Loyalität.