Es folgt eine Geschichte, die sich in meiner Kindergartenzeit zugetragen hat. Inzwischen bin ich 24 Jahre alt, die Geschichte liegt also schon etwas zurück. Wieso ich das jetzt hier veröffentliche? Warum auch immer, fallen mir zu vielen Ereignissen in meinem Alltag Geschichten aus meiner Kindergartenzeit ein. Allerdings vergesse ich sie dann auch recht schnell wieder. Ich wollte diese ganzen Geschichten schon lange einmal sammeln, damit ich sie immer zugänglich habe. Da ich jetzt hier diesen Blog habe, habe ich gedacht, warum nicht mal auf diesem Weg hier anfangen und vielleicht findet ja sogar jemand Gefallen daran.
Ein kurzes Vorwort noch, damit die Geschichte etwas mehr Sinn ergibt. Ich war kein einfaches Kind im Kindergarten. Ich denke, ich habe die Erzieherinnen oft in den Wahnsinn getrieben. Ich war immer schon etwas anders als andere Kinder gewesen und damit konnten die Erzieherinnen schlecht umgehen, wie ich heute finde. Vermutlich haben sie nur versucht ihren Job zu machen und mich irgendwie zu integrieren, aber da mich diese Geschichten bis heute beschäftigen, haben sie wohl irgendetwas falsch gemacht. Warum war ich anders als andere Kinder? Zum damaligen Zeitpunkt waren Handys noch nicht sehr weit verbreitet und kamen gerade so langsam im Alltagsgeschehen an. Ich jedenfalls war damals schon begeistert von diesen Geräten. Und so verbrachte ich die meiste Zeit im Kindergarten damit mir Bilder von Handys aus Zeitschriften auszuschneiden und diese auf Karton aufzukleben um sie stabiler zu machen. Mit diesen Handys konnte ich mich dann stundenlang beschäftigen. Allgemein war ich damals schon ein Einzelgänger. Am liebsten saß ich alleine an meinem Basteltisch und beschäftigte mich mit Handys oder anderen Geräten. Den Erzieherinnen gefiel das überhaupt nicht, weshalb ich den Satz: „Spiel mit anderen Kindern!“ sehr oft zu hören bekam.
So jetzt kommen wir aber zur Geschichte. Es geht heute um die Räuber Hotzenplotz Aktionstage. Keine Ahnung ob das in anderen Kindergärten auch gemacht wurde oder vielleicht sogar noch gemacht wird. Jedenfalls war das damals so gewesen, dass die letzte Zeit im Kindergarten, bevor man dann in die Schule kam, eine Aktionswoche veranstaltet wurde. In diesem Fall stand sie unter dem Motto Räuber Hotzenplotz. Die Geschichte ist also ziemlich am Ende meiner Kindergartenzeit angesiedelt, das zerstört zwar jetzt die Chronologie total, aber ist eigentlich nicht weiter von Bedeutung.
Jedenfalls waren wir im Zuge dieser Aktionstage in einem nahe gelegenen Wald unterwegs und das Ziel sollte sein, eine Falle zu bauen, mit der man den Räuber Hotzenplotz fangen könnte. Dazu bekamen wir ein paar Materialien ausgehändigt, darunter etwas Schnur, ein paar Glocken und so weiter. Ein paar Utensilien eben, um eine Basic-Falle bauen zu können. Und das taten die anderen Kinder in meiner Gruppe auch. Sie haben die Schnur zwischen zwei Bäumen gespannt und eine Glocke daran befestigt. Eine ziemlich einfache Falle eben. Ich dachte mir aber, dass der Räuber Hotzenplotz doch niemals in eine so billige Falle gehen würde und habe eine etwas komplexere Falle gebaut. Ich baute eine Art Zaun aus Stöcken und Ästen und fand eine alte Silvesterrakete. Diese setzte ich zusätzlich als Signalrakete ein. Meine Idee war, sobald der Räuber in der Falle ist, löst die Rakete aus und man wird darüber in Kenntnis gesetzt. Denn so war das ursprünglich geplant. Wir bauen die Fallen, gehen weg und sobald wir die Glocken hören wissen wir, dass der Räuber gefangen wurde. Nun ja, meins war eben eine Deluxe-Falle.
Bisher war die Geschichte nicht so schlimm, der Part der mich wirklich bis heute ärgert kommt jetzt. Bevor wir die Fallen verlassen haben, musste jeder seine Falle erklären. Also habe ich meine Falle sehr ausführlich erklärt, wovon die Erzieherinnen nicht sonderlich begeistert waren. Jedenfalls haben wir anschließend den Wald verlassen. Kurze Zeit später hörten wir das Klingeln der Glocken und gingen natürlich zurück zu den Fallen um das Ergebnis zu beurteilen. Bei den Fallen angekommen bot sich uns folgenden Bild. An allen Schnüren waren irgendwelche Kleidungsstücke des Räubers befestigt. An der einen Schnur war eine Hose, an der anderen hingen Schuhe und so weiter. Sollte quasi zeigen, dass der Räuber da gewesen ist. Mir war damals schon klar, dass die Erzieherinnen das gemacht hatten, ob das allen anderen auch klar war, weiß ich nicht.
Der Punkt der mich bis heute ärgert ist der, dass an meiner Falle nichts hing. Kein einziges Kleidungsstück, während an allen anderen Fallen irgendwas war. Und nicht einmal meine Rakete war bewegt worden. Ich hatte doch vorher ausführlich erklärt, dass sobald der Räuber in der Falle ist, die Rakete auslöst. Man hätte doch wenigstens die Rakete bewegen können. Nein, ich stand als einziger da mit einer Falle, die offensichtlich nicht einmal einen Teilerfolg hatte, obwohl meine Falle sehr viel komplexer war, als die anderen. Bis heute frage ich mich, war das eine bewusste Ausgrenzung oder hat man meine Falle schlicht und einfach vergessen?