Die Sorge um bezahlbare Energie verstehe ich. Aber beim Verbrenner sind wir ebenfalls abhängig. Ich fördere mein Erdöl nicht selbst und betreibe keine Raffinerie. An der Tankstelle bezahle ich den verlangten Preis, beim Heizen mit Öl oder Gas genauso. Deutschland ist bei diesen Energieträgern stark auf Importe angewiesen.
Und diese Abhängigkeit spüren wir gerade ganz konkret. Der Krieg und die gestörten Lieferungen durch die Straße von Hormus haben zusammen mit Angriffen auf weitere Transportwege und Energieanlagen die Preise bereits deutlich nach oben getrieben. Das merken wir an der Tankstelle und beim Heizen. Das ist keine Zukunftsspekulation, sondern eine Belastung, die bereits bei uns ankommt.
Deshalb finde ich es sinnvoll, mehr Energie im eigenen Land zu erzeugen und die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern. Dafür muss nicht jeder eine Solaranlage auf dem Dach haben. Auch als öffentlicher Ladekunde kann ich Strom nutzen, der hier erzeugt wird. Natürlich macht uns das nicht vollständig unabhängig und auch Strompreise werden durch teureres Gas beeinflusst.
„Die Sonne stellt keine Rechnung“ bedeutet für mich nicht, dass Solaranlagen, Stromnetze und Ladesäulen kostenlos sind. Aufbau, Wartung und Betrieb müssen bezahlt werden. Trotzdem dürfen wir nachvollziehbare Preise verlangen. Genau darum geht es in meinem Beitrag: Ein Betreiber berechnet einem fremden Ladekartenanbieter deutlich mehr als seinen eigenen Kunden. Dass diese Praxis gerichtlich überprüft wird, begrüße ich.
Zur Wahrheit gehört auch, wie der Strompreis entsteht. Am kurzfristigen Strommarkt bestimmt grundsätzlich das teuerste noch benötigte Angebot den Preis für die jeweilige Handelsperiode. Wird ein teures Gaskraftwerk gebraucht, beeinflusst das auch den Marktpreis für günstiger erzeugten Strom. Der Preis auf unserer Rechnung hängt zusätzlich von der Beschaffung des Anbieters, Netzentgelten, Steuern und weiteren Kosten ab.
Deshalb gibt es für mich nicht die eine Technik, die sämtliche Probleme löst. Entscheidend ist, wie Stromerzeugung, Speicher, Netze und steuerbarer Verbrauch zusammenarbeiten. Wind und Sonne liefern nicht jederzeit gleich viel. Speicher, flexible Nachfrage und ergänzende regelbare Kraftwerke müssen das ausgleichen. Wir brauchen ein abgestimmtes Gesamtsystem, das zuverlässig funktioniert und bezahlbar bleibt.
Auch Atomkraft muss sich diesen Fragen stellen. Brennelemente werden tatsächlich in Deutschland hergestellt, etwa in Lingen. Internationale Lieferketten bleiben trotzdem ein Thema. Und bei der Kühlung geht es nicht nur um theoretische Schwierigkeiten: Im ungarischen Paks und auch an französischen Standorten mussten Atomkraftwerke bei hohen Flusstemperaturen ihre Leistung reduzieren. Hitze und niedrige Flusspegel können die Kühlung und die zulässige Einleitung von erwärmtem Wasser begrenzen. Nicht jedes Kraftwerk ist gleichermaßen betroffen, aber auch Atomkraft ist nicht unabhängig von Wetter und Umweltbedingungen.
Beim radioaktiven Abfall wäre „es gibt überhaupt keine Lösung“ ebenfalls zu pauschal. Tiefengeologische Endlagerung ist ein ausgearbeitetes Konzept und kein einfaches Vergraben wie einen Knochen. Deutschland hat allerdings weiterhin keinen ausgewählten Endlagerstandort für hochradioaktive Abfälle. Die sichere Umsetzung und die langfristigen Kosten bleiben wichtige Aufgaben.
Ich möchte keine Energieform schönreden. Aber aus dem tatsächlichen Ärgernis der Ladetarife abzuleiten, dass wir irgendwann unsere Autos nicht mehr laden können, bleibt eine Befürchtung. Meinen Alltag beschreibt das nicht. Ich habe keine Wallbox und produziere meinen Ladestrom nicht selbst. Trotzdem funktioniert mein Ioniq 5 für mich im Alltag und auf Reisen. Eigener Solarstrom wäre ein zusätzlicher Vorteil, aber keine Voraussetzung für meine bisherigen guten Erfahrungen.
Jeder soll fahren, was zu ihm passt. Ich wünsche mir nur, dass meine tatsächlichen Erfahrungen genauso zählen wie die Sorgen darüber, was irgendwann passieren könnte.
Und wir sollten aufhören, jede Technik, die nicht zur eigenen Überzeugung passt, gleich zu verteufeln. Warum machen wir diesen Fehler immer wieder? Keine Technik ist frei von Nachteilen, aber ihre Stärken verschwinden nicht dadurch, dass wir nur ihre Schwächen betrachten. Entscheidend ist, wo sie sinnvoll eingesetzt werden kann und wie sie mit anderen Lösungen zusammenarbeitet. Mit pauschaler Ablehnung lösen wir weder unsere Energieprobleme noch machen wir Mobilität bezahlbarer.
RE: Bewegung im Ladepreischaos