Kochen ohne Strom: Prepperst du schon?

Words
482
Reading
3 min
Listen
Play
5y

holzkohleverbot jamaika grillverbot politplatschquatsch.jpg

Prepperer und Prepperinnen entsolidarisieren im Blackout auch bei der Wurstfrage.


Jetzt geht's lohos! Kein Dünger, kein Gas, aber plötzlich ohne Stromversorger: Immergrün und Meisterstrom und schon pleite. Ein bisher einmalig konsequenter Schritt im Zuge des allgemeinen Energieausstieges noch knapp vor der Senkung der EEG-Umlage. Der massive Lieferdruck aus Russland setzt Deutschlands Stromversorgern schneller zu als gedacht - schon haben die künftigen Koalitionäre in Berlin das Steuer herumgerissen und den Bau zahlreicher neuer Gaskraftwerke angekündigt

Bis dahin aber wird es noch dauern, wenigstens 150 Freitagsstreiktage vergehen aller Erfahrung nach, ehe in Deutschland aus einer Bauabsicht auch nur ein Bauplan geworden ist. Weitere 300 Wochen brauchen Bauantrag und Baugenehmigung, zusätzlich 35 sind zusätzlich noch für den Bau selbst nötig.

Teures Raumklima

Bis dahin ist gutes Raumklima teuer - sieben bis acht Jahre gilt es, mit Notmaßnahmen zu überbücken.Was aber bietet sich an? Wie Kochen ohne Strom geht, ist dank der einschlägigen Beratungsliteratur der Bundesbehörden bekannt. Wie aber geht Heizen ohne Kohle, Gas und Strom? Sogenannte Prepper haben diesbezüglich oft jahrelang know how aufgebaut: Mit einfachen Mitteln Feuer entfachen, wenig nachlegen, den Kanonenofen gleichzeitig zum Wäschtrocknen nutzen und die feingemahlene Asche zur Seifenherstellung.

Der Durchschnittsbürger aber steht der neuen Situation häufig hilflos gegenüber. Selbst wohlmeinende Spartipps großer Medien verfangen nicht, wo die aktuelle Ausgabe einerseits nicht mehr im Briefkasten steckt. Andererseits aber zum Unterstopfen der Kleidung benötigt wird.

Survivalists sind vorbereitet auf den Blackout, das Versagen der Versorgungsinfrastruktur und das Ende der alten Normalität.

Toilettenpapiervorräte galten als Rücklage für den absehbaren Anstieg der Papierpreise, Eingemachtes und Konservendosen versprechen anhaltenden Genuss auch für den Fall reißender Lieferketten und streikender Hafenarbeiter. In der ersten Phase der Corona-Krise dienten diese weit- und übervorsichtigen als Zielscheibe für amtlichen Hohn und Spott, die oft im Sächsischen siedelnden Angstbürger galten als gemeinschaftsfeindliche Provokateure, deren Wahnvorstellungen die Grundlagen der solidarischen Gesellschaft gezielt zersetzten. Seitdem gerieten zwar dauerhaft wieder aus dem Blickfeld, die jüngsten Opfer des Themensterbens in der deutschen Medienlandschaft.

Der Russe und der Prepperer

Mit der aufkommenden Ökoflation aber naht Hilfe. In Kürze schon wird der Gemeinssinnfunk nicht mehr mühevoll Russen, Netzentgelte und ein böses Klimawandelschicksal für die an allen Fronten explodierenden Preise verantwortlich machen müssen, um die unangenehmen Nebenwirkungen der neuen CO2-Steuer nicht erwähnen zu müssen. Stattdessen werden der Prepperer und die Prepperin in die Bresche gesprungen: Menschen, die sich egoistisch entsolidarisieren und damit erst herbeiprovozieren, was sie am meisten fürchten.

Die Wissenschaft spricht hier von einem irrationalen Hang zu pessimistischen Zeitdiagnosen. Unerklärlicherweise quäle die Betroffenen das Gefühl, dass sie "in unsicherer gewordenen Zeiten leben und dass die Gesellschaft sehr vulnerabel geworden ist", wie der Prepperforscher Mischa Luy ermittelt hat.

Zurückbleiben die, die den Zusicherungen geglaubt haben, dass der Strom aus der Steckdose kommt, das warme Wasser aus der Wand und das Essen aus dem Supermarkt. Eine übergroße Mehrheit, denn wissenschaftlichen Schätzungen zufolge sind nur etwa 200.000 Menschen hierzulande auf den Fall der Fälle vorbereitet, der nie kommen wird

Bis er eines Tages da ist.