Schockstarre.
Ich sehe die ersten Hochrechnungen der Dresdener Stadtratswahl. Was ist das? Ich glaube das nicht. In Meißen hat die AfD mit 34,2% Stimmen. Und das bei 68% Wahlbeteiligung. Ich will das nicht glauben.
Ohnmacht ergießt sich über mir.
An mir geht das Ergebnis nicht spurlos vorbei.
Ich bin einfach tief enttäuscht und traurig.
Auf der anderen Seite kann ich es auch verstehen.
Wenn auch nicht gut heißen.
Immer noch verdiene ich weniger.
Immer noch werden wir als das ostdeutschen Jammertal bezeichnet, als Feindbild gesehen, obwohl das Thema „Rechtsradikale an die Macht“ ein Europaweites Problem ist. Schau doch einfach nach Italien.
Weißt du wer die Treuhand ist?
Immer noch wissen mehr als neunzig Prozent der westdeutschen Köpfe nicht, welche Demütigungen, Kränkungen und Ungerechtigkeiten von der verfehlten Treuhand - Politik ausgingen.
Der sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping stimme ich zu, wenn sie ein Buch schreibt mit dem Titel: Integriert doch erst mal uns!
Schon kriecht und schlängelt sie sich zischend nach oben. Meine Wut.
Hüben wie drüben, hier wie dort, gibt es neue Feindbilder. Was für ein Scheiß!
Sind wir letztlich nicht alles nur Menschen?
Meine Wut bezieht sich nicht auf die Tatsache des Wahlergebnisses. Was mich richtig wütend macht ist der respektlose Umgang miteinander, die Verrohung unserer Gesellschaft und die Gewaltbereitschaft in der Spezies Mensch. Noch nie wurde zum Beispiel, die Arbeit von Journalisten und Polizisten so angegriffen wie heut zu Tage.
Meine Angst treibt mich vorwärts. Sie macht mich achtsamer für die erschaffenen Feindbilder. Zwischenmenschlicher Kontakt in Frieden und mehr Leichtigkeit ist eine Aufgabe die es zu erschaffen gilt.
Katerstimmung am Morgen danach.
Die Grünen gehen in Dresden, Gott sei dank als Sieger vom Feld.
CDU und AfD sind gleichstark.
Um Politik für mich verstehbar zu machen, breche ich mir das Erlebnis auf eine private Ebene runter.
Der frische Wind der Grünen erinnert mich an meinen unbekümmerten Enkel. Er entfacht in mir immer wieder eine Herzenswärme für das Leben. Mit Charme und Witz reißt er mich mit und ich toleriere das einfach. Er legt mir die Welt zu Füßen. Schöpferisch und kreativ, mit einer Leichtigkeit und Frohsinn, geben wir uns einander die Hand.
Es ist wunderschön jungen Menschen beim gedeihen und erblühen zuzusehen. Auch wenn ich nicht alles verstehe wovon sie sprechen oder welche Herzensangelegenheiten sie antreibt. Verängstigt denke ich an die „Guten alten Zeiten“ zurück, wenn es mir mal wieder zu dynamisch wird. Liebevoll, freundlich und gut gesinnt dürfen wir „Alten“ der Gegenwart gegenüberstehen.
Aber auch mein Bewusstsein hat sich gewandelt. Als Großmutter bin ich die Basis für meinen Enkel. Ohne mir, gäbe es ihn nicht.
Ohne meine Gedanken, Wünsche und Hoffnungen der letzten zweiundfünfzig Jahre, gäbe es die derzeitige Realität nicht. Die Wahlen sind nur ein Abbild unserer längst vorhandenen Gedankengänge, Wünsche und Bedürfnisse.
Ich muss mich über Ergebnis nicht erschrecken. Es gibt immer beide Ansichten und Emotionsströme, die fließen werden. Es liegt an mir, für welche Wahrheit ich mich entscheide. Es gibt immer so viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt.
Ich fände es einfach schön, wenn die "Jungen Wilden" :-) mit den "Alten Erfahrenen" zusammen gehen. So wie ich Alte mit meinem Enkel gemeinsam Bin. :-) Das wäre schön.