Heute vor 30 Jahren war der Mauerfall, Segen oder Fluch für die Ossis? Ich bin da sehr Zwiegespalten. Stünde die Mauer noch würde ich jetzt sicherlich in einer Kneipe mit 5–6 Kumpels beim Frühschoppen sitzen und eine runde Skat klopfen. Da würde dann einige Bierchen vernichtet werden, wo eins 45 Pfennige kostet und zwischendurch würde man sich eine Bockwurst für 1,20 Mark schmecken lassen. Man hätte für den ganzen Frühschoppen 10 Mark ausgegeben und hätte ein paar Stunden in Gesellschaft verbracht. Auch hätte man sicherlich etwas ausgemacht, um in der darauffolgenden Woche einen seiner Freunde UNENTGELTLICH bei was auch immer zu helfen. Denn das Thema “eine Hand wäscht die andere” wäre dann ja noch allgegenwärtig. Einsamkeit und auf sich alleine gestellt sein gab es in solchen Außenmaß nicht. Der Gemeinschaftssinn war allgegenwärtig.
Heute haben nun alle Ex Ossis ihre ach so hoch beschworene Meinungsfreiheit. Nur interessiert sich keiner für deine Meinung. Wir können in der ganzen Welt hinreisen, nur können sich das die wenigsten leisten. Man hat das soziale Auffangnetz, man bekommt seinen Lebensunterhalt egal, ob man nun einen Handschlag macht oder nicht. Ist das wirklich sooo toll? Wäre es nicht besser mit Kollegen den Tag zu verbringen als Einsam und verlassen zu Hause RTL 2 zu schauen?
Durch das von mir gegründeter NesoMi Netzwerk weiß ich, wie viele einsame, verarmte und Mittellose Mitmenschen es gibt. Das Urlaub, und sei es nur für ein Wochenende in vielen Familien ein Fremdwort ist. Wie Alleinerziehende Elternteile um alles kämpfen müssen und auf sich gestellt sind.
Klar, ich hatte ein tolles Leben, viel Geld, viel in der Weltgeschichte herumgereist und sicherlich mehr verrückte Sachen erlebt und vor allem auch gelebt als viele andere. Aber manchmal denke ich schon, scheiß auf das Geld und das erlebte …. Gerade jetzt wo man älter wird zählen andere Werte …… Und die scheinen irgendwo auf der Strecke geblieben zu sein. Und es kommt mir so vor, dass das genau 1989 angefangen hat.
Wie seht ihr das ganze?