Die letzten Wochen waren ohne Zweifel für die Kryptohalter nicht ganz ohne. Nicht nur stundenweise, sondern gleich das ganze Portfolio über den 7 Tage Trend im allertiefsten Rot. Schön war das ganze bestimmt nicht.
Doch es fiel auf, dass auch während dieses Crashs einige Leute einfach ruhiger blieben als andere. Man kann es sich nun natürlich leicht tun und sagen, dass es einfach eine Frage des Charakters sei. Während dies bis zu einem gewissen Grad vielleicht stimmen mag, reicht es mir nicht als Erklärung aus. Immerhin würde ich mich selbst als eher konservativen Risikovermeider einstufen. Wenn ich mir bei einer Sache nicht sicher bin, lasse ich lieber die Finger davon. Wieso blieb ich also wesentlich ruhiger als so manch anderer in der Kryptosphäre?
Nun viele der Leute die richtig am Rad gedreht haben waren unsere Neulinge am Markt, die einen größeren Invest auf eine Karte gesetzt haben. In den meisten Fällen war dies vermutlich Bitcoin und so mancher ging dann mit 17k rein und staunte nicht schlecht als der Markt dann unaufhaltsam immer weiter nach unten kroch. Als dann noch der Crash und die Medien-FUDs starten, brach das nackte Entsetzen hevor. Zerstört der Traum vom einfachen und schnelle Geld!
Und da zu recht! Den dies ist eine absolut extreme Form von Casino-Kapitalismus seiner dümmsten Facette. Den wer all sein Geld auf ein einziges Pferd setzt, hat guten Grund dazu in Panik zu geraten, wenn dies wiehernd in sich zusammen bricht. Es wächst die Unsicherheit, ob man vielleicht auf die falsche Coin gesetzt hat. Hat man vielleicht den völlig falschen Einstiegspunkt erwischt? Meist beobachte ich zwei Reaktionen: 1. Verkauf und Realisierung von Verlusten 2. Die Entwicklung esoterischer Hellseherei. Beides ist zumeist schlecht und lindert die Lage nicht im geringsten.
Wer bereits ein wenig mit Investments beschäftigt hat, wird den Begriff "Diversifikation" bereits verinnerlicht haben. Es macht also durchaus Sinn sein Geld ein wenig über verschiedene Coins hinweg zu verteilen. Gerade wenn eine einzelne mal heftig unter Beschuss steht, ist man nicht gleich völlig im Minus und kann sich immer noch an seinen anderen erfreuen. Doch was hilft einem Diversifikation, wenn der gesamte Markt rauschend hinab geht? Richtig, eigentlich überhaupts nichts. Außer vielleicht das sichere Gefühl, dass es nicht die falsche Coin, sondern eher der falsche Zeitpunkt war.
Ich beobachte immer häufiger, dass Leute eben unter Diversifikation verstehen, dass man sein Geld im Kryptomarkt verteilt. Dies ist aber ein Missverständnis und zudem eine nicht ganz smarte Vorgehensweise. Den es gibt auch dort kein einfaches Geld und die Leute beten nicht umsonst immer wieder und wieder das gleiche Mantra: Kryptos sind hochspekulative Anlagen und Risikokapital! Niemand sollte sein gesamtes Geld in Risikokapital stecken. Unabhängig davon, ob er nun 200€ oder 2 Millionen € zur Verfügung stehen hat.
Diversifikation bedeutet nämlich primär die Verteilung über verschiedene Märkte hinweg. Damit wenn es einem schlecht geht, man immer noch einen anderen hat, der einen stützen kann. Wer alles in Kryptos steckt, hat diese zweite Stütze nicht. Genauso wie der Börsianer keinen hat, wenn er alles in den Cluster Europa steckt und dort die Krise ausbricht. Und niemand wäre auch gut darin beraten alles nun in chinesische Wertpapiere zu stecken, nur weil es dort eine super Rendite gibt. Da wacht der Kim Jong Un mal mit Magenschmerzen morgens auf und schon würde man es bereuen.
Wenn man also in Kryptos sein Geld steckt, sollte man stets auch einen Teil seines Geldes in sicheren Anlagen stecken. Welche das sind? Das kommt drauf an, wenn man fragt. Während ich einen großen Teil des Portfolios in sichere Wertpapiere stecken würde, würde der @Balte vermutlich zu Edelmetalle raten. Glaube ich meiner Bankberaterin, müsste ich wohl wesentlich mehr in Anleihen stecken. @spongechris würde einen gut gefülltes Whiskylager empfehlen. Vielleicht wäre aber auch eine Immoblilie eine gute Idee? Frage ich Trevor James, müsste ich wohl Bitconnect kaufen ;)
Was gute andere Standbeine sind, dass kann Euch niemand wirklich sagen. Das alleine wird die Zukunft zeigen und hängt von vielen Faktoren ab. Ihr werdet für jedes Szenario einen Propheten finden und alle haben eines gemein: Sie können nicht in die Zukunft sehen. Wichtig ist aber, dass man sich auf einige Eventualitäten einstellt und versucht sich andere Stützen aufzubauen. Den wenn die Zweite wegbricht, braucht man auch eine Dritte.
Wer dann sieht wie seine Kryptos in den Keller rauschen, der Gerät auch nicht so schnell in Panik und kann solche Rückschläge leichter verkraften und einmal aussitzen. Und wenn dann wie in der letzten Woche auch noch die Börsen crashen, dann erfreut man sich halt an seinen Whisky und ist froh, dass man immer noch ein As im Ärmel hat. Tut Euch also den Gefallen und betreibt eine vernünftige Diversifikation. Nicht unbedingt weil ihr dadurch schneller reich werdet! Sondern vorwiegend, weil ihr Nachts dann ruhiger schlafen werdet! ;)