Ich kann die (anerzogene) Gutläubigkeit etwas nachvollziehen, die so viele Menschen ihr Vertrauen hat vorschießen lassen. Da die Medien voll mit Paniknachrichten und Bildern waren und über einem massiven sturen/stoischen Wiederholen der Corona-Zahlen über Monate hinweg operierten und der politische Kurs ab April 2020 mehr als deutlich rüber gebracht wurde, kam zu der Angst vor Ansteckung dann auch noch die Angst vor Ausgrenzung dazu. Man musste schon sehr gelassen sein, um dieser gigantischen hysterischen Welle mit Gleichmut entgegen zu treten und sich nicht irre machen zu lassen (mir ist das nicht so gelungen).
Menschen, denen es bislang ganz gut ging und die sich im eigenen Land behütet und beschützt fühlen, ist es schwer, zu erläutern, dass es keine Garantie für den gegenteiligen Fall gibt.
Ich schließe daraus, dass diese ganze "Aufarbeitung" auch vergangener Übel vonseiten der Obrigkeit nicht wirklich gefruchtet hat und die Leute seltsamerweise dachten, dass Propaganda in diesem Land "nie wieder" geschehen könne. Einer, der nicht selbst im zweiten Weltkrieg dabei war oder nicht in der DDR gelebt hat, hat Probleme, das Abstrakte zu konkretisieren. Ein anderer kann das.
Dass man das anzutreffende mulmige Gefühl, dass irgendwas nicht ganz stimmen kann, ignorieren kann, ist ein bekanntes Phänomen. Die Ungläubigkeit, wenn es einem begegnet so im Alltag, war riesig.
Wir leben in Systemen, wo die lokal Ansässigen, die Kommunen so wenig selbst entscheiden können, dass man die Hierarchie akzeptiert hat. Ist auch unendlich schwierig, sich den Handlungsspielraum zu erhalten, egal wo. Es gibt derartig viele Gesetze, Regelungen und Bestimmungen, die zu befolgen sind, dass es einer überaus gekonnten Lebenskunst gleicht, in diesem Spektrum der Komplexität etwas Eigenes und Unabhängiges zu behalten. Du kannst eine Firma voller Freigeister haben und dann ist einer dabei, der das nicht gut findet und alle fürchten diesen Einen.
Meine Prognose ist, dass es nicht dazu kommen wird, dass in den Leitmedien tatsächlich so etwas wie eine Aufarbeitung im großen Wurf stattfinden wird. Die Dinge sind geschehen, jetzt ist der Rechtsstaat gefragt. Stattdessen kommt alles in Häppchen. Ist eigentlich nicht weiter verwunderlich.
Das Dilemma ist, dass Politik machen überhaupt keinen Spaß macht, trocken und langweilig ist und man verdammt viel lesen muss. Man muss sich in Ausschüsse setzen, miteinander diskutieren, abstimmen, Konsens finden, Protokolle schreiben usw. usw. Wie mühsam es ist, selbst in kleinen Gruppen zu Entscheidungen zu finden, die dann einer anderen Teil-Öffentlichkeit zugetragen werden, erfährt man, wenn diese Teil-Öffentlichkeit ihren Senf dazu gibt, ohne die ganze bürokratische Arbeit getan zu haben oder überhaupt zu kennen.
Ich hab mal kurz reingeschnuppert in die Parteigründung der "Basis" und bin wieder weg gegangen.
RE: "geimpft, geschädigt, vergessen"