Ich würde es als den Lindenstraßen-Effekt bezeichnen. Da Politiker wie in einer Dauer-Serie immer wieder gezeigt werden, ihre Auftritte, Gesichter, Worte, Bilder von Zuschauern wahrgenommen werden und schließlich in der Wahrnehmung wie ein Verwandter, den man zu kennen glaubt, rüberkommen, sind sie einem näher, als die eigenen Verwandten. Diese sieht man, wenn es hoch kommt, an Feiertagen. Die anderen aber sieht man jeden Tag, wenn man will.
Wer keinen hat, über den er tratschen kann, sucht sich mediale Figuren und identifiziert sich mit ihnen. Weil es einem gewöhnlich nicht auffällt, dass man eigene Gefühle auf die Medien-Figuren projiziert, entstehen solche wie von dir gezeigten Kommentare.
Tatsächlich aber herrscht keine Beziehung zwischen medialen Figuren und ihrer Audienz, höchstens als Illusion. Der Politiker fürchtet sich vor dem Volksmund (was sagt die Presse über mich?) und das Volk fürchtet oder huldigt dem Politiker.
RE: Betrachtung der Diskussionskultur im Netz am Beispiel der Debatte bezüglich der Ausgaben für Baerbocks Visagistin.