RE: RE: Verschickungskinder - mehr als nur Einzelschicksale...
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RE: Verschickungskinder - mehr als nur Einzelschicksale...

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Ich habe die Haltung, dass jeder Mensch traumatische Erlebnisse gehabt hat, die in der Kindheit stattfanden und an die man sich nicht erinnern kann. Dazu kommen traumatische Erfahrungen im späteren Leben.

Ich denke nicht, dass sich solches vermeiden lässt. Es gibt keine Menschenwelt, ohne bestimmte Erlebnisse von Hilflosigkeit und Angst zu haben. Das ist eine Tatsache.

Für mich ist hilfreich gewesen, mich persönlich mit dem, das ich erinnern konnte, zu befassen.
Eine ernsthafte im Erwachsenenleben aufgetretene Krankheit war zudem in dieser Hinsicht hilfreich und zwang mich dazu, mich dem zu stellen, mit dem ich nicht klar kam. Nach der extremen Krankheit dann lange Phasen von Ruhe und normaler Alltag.

Dann geschieht etwas, wo man sich an diese Gefühle und Erfahrungen erinnert.
Das ist völlig normal und dem Menschen Eigen. Geschehnisse, Menschen, Gesichter, Gesten, Worte, Töne, all diese Dinge können etwas auslösen. Mit dem Wissen, dass ich jederzeit und überall getriggert werden kann, brauche ich mich nicht dagegen zu wehren, weil es sinnlos ist, sich zu wehren, da man ohnehin nichts dagegen machen kann. Also akzeptiert man es oder beginnt damit, daran zu arbeiten, es zu tun. Die Situation zu meistern anstatt ein generelles Prinzip zu fixieren.

Jede Situation im Leben, die eine gewisse Schwierigkeit beinhaltet, und bei der man nicht stirbt, ist eine erneute Chance, wieder ein Stück reifer zu werden.
Und wenn man stirbt, dann war das wohl nicht zu vermeiden.

Ich halte persönlich nicht viel davon, allein auf die Negativ-Aspekte von traumatischen Erfahrungen zu zielen.
Die Prüfungen, die wir alle in Filmen so bewundern, wo Menschen sich den Aufgaben stellen (körperliche Höchstleistungen, alleine in den Wald, extrem schwierige intellektuelle Herausforderungen, alle mit bestimmten Ängsten und Schock-Momenten verbunden), zeugen von unserem Verständnis solcher Lebensprüfungen.

Auch Kinder bleiben davor nicht bewahrt. Jedoch würde ich immer fragen, wenn man von solchen Kindheitserlebnissen als schrecklich berichtet, was da sonst noch gewesen ist im Leben als Kind. Denn keine Kindheit hat nur traumatische Aspekte, sondern auch seine Gegenteile. Sonst würde kein Kind seine Kindheit überlebt haben.

Wer ein vormals schreckliches Erlebnis in der Lage ist, umzurahmen, weil er den Kontext seiner Lebens-Erfahrung erweitert hat, der wird sich nicht wie ein Opfer fühlen, sondern wie jemand, der seine Kindheit (und alles, was danach kommt) anders schreibt. Meine Erfahrung.

Bedeutet, egal, was der Staat oder sonst wer anstellt, ich bin dann kein Opfer, sondern jemand, der sich bewusst darüber ist, dass er gerade eine Zeit der Prüfung durchläuft. Wäre es leicht, wäre es kein Weg des Lernens und Reifens. Das erkennt man nur nicht immer sofort, wenn man im Sturm eines Geschehens steht.

@erh.germany: Ich habe die | Ecency