RE: RE: ChatGPT ist toll, aber...
You are viewing a single comment's thread from:

RE: ChatGPT ist toll, aber...

Words
563
Reading
3 min
Listen
Play
4y

Moin,

Es macht augenscheinlich keinen Unterschied, wie Inhalte entstehen, da sich das gesamte Veröffentlichen auf allen Kanälen lediglich um das Veröffentlichen selbst dreht und man Inhalte im Grunde überwunden hat. (Der "Die Partei" Slogan ist unübertroffen).

Kein Mensch liest sich Blog-Beiträge durch, die in der Vergangenheit liegen, beispielsweise. Das Interesse an einem Blog Post hat daher eine sehr kurze Lebigkeit. So spräche eigentlich nichts dagegen, sich permanent selbst zu wiederholen und weil das langweilig ist, eine KI die Inhalte erstellen zu lassen, da schon der Mensch selbst das Theoretisieren - Text zu erstellen - zum Zeitvertreib machte, der den Großteil seines digitalen Tuns ausmacht. Seit Stefan Raab einen Sender gründete, der keine eigenen Inhalte mehr hatte, sondern die Medienlandschaft scannte, haben sich das alle anderen abgeschaut.

KI-gestützte Inhalte sind daher die logische Konsequenz des Dauernd-Posten-Müssens oder Wollens, da Inhalte nicht in der Häufigkeit originell sein können, wie man sie produziert (sehen will). Für Werke von guter Qualität braucht man einfach sehr viel Zeit, kreative Pausen, Überarbeitung, Feedback von Leuten mit viel Lebens- und Berufserfahrung usw.
Der Rest ist mediokre Unterhaltung. Gegen die man nicht unbedingt etwas zu haben braucht, nur zählt man selbst eben auch eher zum Mittelmaß.

Mir persönlich fällt es immer noch leichter, physische Mittel zu benutzen. Ich gehe lieber ins Geschäft und kaufe mir Leinwand und Farbe und lebe mit meinen begrenzten Möglichkeiten schöpferischen Tuns. Aber nur, weil es mir zu anstrengend ist, diese Zeit vor dem Rechner zu verbringen, was man ja tun muss, wenn man KI's für sich nutzen will. Schon allein die Anmeldung beim ChatGPT ist mir zu mühsam.

Hingegen schaue ich mir ohne Unterlass neue youtube Videos von Doityourself Kanälen an, die gerne eine Stunde und mehr dauern dürfen. Ich fühle mich wohl, anderen Leuten von meinem Sofas aus bei der Arbeit zusehen zu können und es motiviert mich tatsächlich, selbst tätig zu werden.

Die Ergebnisse meiner Näh-Projekte haben natürlich überhaupt keinen wirklich praktischen Nutzen. Ich gebe mir dabei aber die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, weil ich eine Sache von A bis Z machen kann und nicht nur ein Fragment in einem gigantischen Arbeitsteilungsprozess bin, wo ich nie wirklich ein End-Ergebnis vor mich hinhalten und sagen könnte: Das habe ich selbst gemacht. Aber auch das ist natürlich ein Trugschluss, denn ich habe durch diese gigantische Arbeitsteilung eine Nähmaschine erhalten, Nadel und Faden, Stoffe, Schnittmuster, Spulen usw. usw. Noch schöner die Erfahrung in einer Gruppe. Etwa, einen Karnevalswagen zu bauen oder ein Haus. Oder einen Garten anlegen.

Erst, wenn mein Tun eine echte Notwendigkeit würde, käme es mir sinnvoller vor. Das ist der mentale Kummer aller Menschen, dass sie das Luxus gewordene Leben irgendwie nur sehr schwer zu schätzen wissen, weil jeder Luxus irgendwann gewöhnlich wird. Wie wir derartig miserabel empfinden können trotz all der technologischen Errungenschaften, ist eine tiefer gehende Frage, auf die das Suchen nach Antworten ein bisschen gefährlich ist, da man sich schnell darin verlieren kann.

Wie immer begrüßen manche solche elektronischen Helfer und andere nicht. Ich habe zu wenig Erfahrung mit KI gestützten Applikationen, außer deepl.com und von der bin ich beeindruckt. Es ist nur schwierig, den Erfolg für mich selbst zu evaluieren. Ist mein Englisch besser geworden, weil ich deepl regelmäßig benutze? Oder ist es deswegen besser geworden, weil ich dazu auch englische Videos schaue? Spreche oder schreibe ich besser? Ist es überhaupt wichtig, dass ich gutes Englisch spreche? Wenn ja, warum? Usw.

@erh.germany: Moin, Es macht | Ecency