Moin,
diese Gedanken kenne ich und habe sie selbst oft hin und herbewegt. Du hörst etwas abrupt auf, ich dachte, es geht noch weiter. Ich hoffe, du und andere lesen meine Antwort, auch wenn sie lang ist.
Die Frage nach der Schöpfung, "wie ist die Welt entstanden" (das Universum), ist eine zutiefst dem Christen angeborene Frage. Christen hängen am Schöpfungsmythos, weil sie nach dem "Macher" fragen und ihr Weltbild mechanistisch ist. In dem Sinn, dass sie nach einem Anfang (erstes Tun, erstes Entstehen) suchen. Dass Jesus ein Tischler war, ist kein Zufall. Später wäre er vermutlich ein Mechaniker gewesen und heute ein Elektroniker. Als Gottes Sohn macht das Sinn.
Wir Christen denken in Zeitabläufen, als wären diese linear. Anfang (Urknall), Entstehen des Universums (z.B. die Theorie der Expansion), Ende.
Unsere Wurzeln und das, woran wir im Westen glauben, ist bis heute ungebrochen. Was damit zu tun hat, so erkläre ich es mir, dass wir eben in mechanischen, physikalischen Bahnen denken, die Entstehung als etwas außerhalb von uns (bereits) Geschehenem begreifen. Eine Übermacht, eine Omnipotenz, ein Super-Architekt, der einen Bauplan hat.
Dass man nicht im Wortsinn an eine derartige personifizierte Allmächtigkeit mehr glaubt, ändert nichts an dem, wie tief verwurzelt diese Denkweise bleibt. Deswegen konnte sich auch die christliche kulturelle Praxis so vollkommen auflösen und übrig bleibt der (kalte) Intellekt. Nach dem es eine Art stumpfes, nur den pyhsikalischen Gesetzen unterworfenes Universum gibt, das diesen Gesetzen folgt. Keine Intelligenz, bloße Materie. Das hat Wirkung bis in alle heutigen Lebensbereiche.
Daher sprechen die diesem Weltbild Anhängenden auch von einem "Problem", wenn sie auf die Frage von Bewusstsein hingewiesen werden. Bewusstsein kann nicht mit dieser Anschauung erklärt werden. Es macht vermutlich in ihrem Verständnis von der "Entstehung des Universums" auch keinen Unterschied und ist entweder kaum oder gar nicht von Bedeutung. Was im Kosmos gesehen wird, wird immer nur auf der Basis der Instrumente gesehen, die man baut und der Kalkulationen, die man macht. Wer jetzt aber das "Problem" mittels dessen zu erklären sucht, mittels er den Rest erklärt hat, kann sich nur irren. Er macht einen Zirkelschluss.
Die Buddhisten kümmern sich gar nicht erst um die Schöpfungsfrage und bei ihnen gibt es keine das Universum erschaffenden Wesenheiten (wiewohl es zahlreiche andere gibt). Ihre Religion scheint sehr viel komplexer zu sein als unsere. Was aber vermutlich damit zusammenhängt, dass niemand von "uns Zeitgenossen" je in die Tiefen der eigenen religiösen und theologischen Schriften vorgestoßen ist. Wir behandeln darum solches vermutlich im Allgemeinen eher oberflächlich, weil wir unsere Kultur aufgegeben haben, die damit zu tun hat (wo Praxis und Theorie noch vereint gewesen sein mögen).
Sie beantworten die Frage nach der Entstehung ähnlich wie du es hier andeutungsweise gemacht hast. Wenn Gott die Welt erschaffen hat, wer hat Gott erschaffen, und der, der Gott erschaffen hat, ist wiederum von wem erschaffen? Also gar nicht. Es ist nicht nötig, dieser Frage (im Hier und Jetzt) nachzugehen, es macht überhaupt keinen Unterschied, weil man es weder beweisen noch nicht beweisen kann. Durchaus macht eine solche Übung Sinn, das bietet auch der Buddhismus mir an, um die Unsinnigkeit dieser Angelegenheit zu erkennen. Es geht u. a. darum, sich selbst als kein "fixes Ich" zu begreifen.
Der entscheidende Unterschied zwischen Buddhismus und Hinduismus liegt
darin, dass der Buddhismus uns nicht sagt, wer wir sind. Er stellt uns keine
Vorstellung, kein Denkmodell bereit. Vor allem aber möchte ich betonen, dass
ihm keine Vorstellung und kein Denkmodell von Gott zugrunde liegt, denn der
Buddhismus interessiert sich nicht dafür, sondern ausschließlich für die
unmittelbare Erfahrung. Vom buddhistischen Standpunkt aus sind alle
Denkmodelle in dem Sinne falsch, dass ein Gegenstand nicht wirklich das ist,
was man von ihm behauptet.
Die Menschheit hat drei große weltanschauliche Entwürfe entwickelt – zum
einen die westliche Sicht, die die Welt, in Analogie zur Arbeit eines Tischlers
oder Töpfers, als ein Konstrukt oder Artefakt versteht. Dann gibt es die Sicht
des Hinduismus von der Welt als Drama oder Schauspiel. Die dritte Weltsicht
ist die chinesische, die die Welt als einen Organismus, einen Körper betrachtet.
Grüße!
RE: Gilt der Darwinismus auch für Götter?