RE: RE: nächste Pandemie?
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RE: nächste Pandemie?

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Moin,

die Virus-Theorie wird Theorie genannt, weil sie eine ist. Sonst hieße es Ansteckungs-Gesetz oder so :)

Ich gebe dir hier schnell einen Auszug aus einer Veröffentlichung des Max-Planck-Instituts, das ich vor vielen Monaten mal gebloggt hatte auf Englisch (das habe ich nun rückübersetzt):

Die Geschichte der Virusforschung im 20. Jahrhundert wird gewöhnlich als ein kontinuierlicher Prozess dargestellt, als eine Geschichte der fortschreitenden Enthüllung der Virusnatur (siehe Waterson 1978: xii; Hughes 1977: 75 ff.; für eine Kritik an diesem Konzept siehe van Helvoort 1994a:187).

Unsere Analyse des Fallstudienmaterials hat jedoch einige Dinge offenbart, die von einer solchen Sicht der Geschichte wegführen. Insbesondere konnte gezeigt werden, dass die Verfeinerung und Ausweitung der experimentellen Mittel und Verfahren, die gemeinhin als Garant für einen ununterbrochenen Fortschritt in der Naturerkenntnis gilt, im betrachteten Zeitraum eher zu Rückschlägen (z.B. bei der Entwicklung der Virusklassifikation) geführt und die Kluft zwischen den streitenden Parteien in der Virusforschung vertieft hat.

Mit dem "filtrierbaren" Virus war etwas entdeckt worden, von dem sich nach den überlieferten Konzepten, die sich ja in der Erforschung von Infektionskrankheiten zumeist bewährt hatten, kein Bild bilden ließ, das alle Forscher hätten teilen können.

Sehr unterschiedliche Interpretationen über das Wesen dieses Phänomens tauchten auf und wurden gegeneinander ins Feld geführt. Ein experimenteller Beweis für dieses oder jenes Konzept, das alle Forscher hätten anerkennen müssen, konnte von keiner Seite vorgelegt werden.

Das bedeutet, dass die Entscheidung, ob diese oder jene Erklärung die "wahre" Natur des Virus am besten wiedergibt, empirisch nicht "objektiviert" werden konnte.

Ich sehe darin die wichtige Information, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens in der Wissenschaftsgemeinde zur Virus-Theorie gegeben hat, bis heute nicht. Den gibt es einfach nicht. Das muss man anerkennen, es ist eine Tatsache.

Realität ist aber eben auch, dass die Praxis den fehlenden Konsens ignoriert hat und warum heute der moderne Mensch die Ansteckungstheorie akzeptiert.

Ob man mit dem, was man sein Leben lang gewusst zu haben meint, in Medias Res geht, dazu ist es nötig, das eigene Weltbild vollständig zu zerschmettern, um dann zu beginnen, für sich (ohne Sicherheit im Rücken) sich unbequeme Fragen zu stellen. Das ist wirklich sehr schwierig und erschreckend, weil es an der eigenen Identität rüttelt.

Ich habe bis 2020 immer gedacht, dass es selbstverständlich ist, dass Viren so sind wie sie gemeinhin aufgefasst werden. Es war erschütternd für mich, als ich begriff, dass meine Überzeugungen auch falsch sein können.

Grüße an dich.

P.S. wenn du willst, gebe ich dir Quellen, aus denen für mich hervorgeht, dass die Wissenschaftsdebatte läuft und nie aufgehört hat.

@erh.germany: Moin, die | Ecency