Anstatt eine Abhandlung über Werte zu lesen, höre ich - in der Tat - lieber Geschichten aus dem Leben von Leuten. Was sie gewagt haben, womit sie auf die Nase gefallen sind, wen sie dabei wie kennen gelernt haben.
Theorien sind sehr interessant, das gebe ich zu, aber man kann sich in ihnen verlieren wie in einem Labyrinth.
Dem Denker fehlt es vermutlich an Abenteuer, Dreck, Trunkenheit oder Tuchfühlung mit der Umgebung. Schließe mich selbst ein, führe aber zur Verteidigung an, dass ich meinen Anteil an Abenteuern so gut es ging, ausgekostet habe und nun eher im ruhigen Fahrwasser schippere. Ich kann mich kaum noch aufraffen, um für oder gegen etwas zu sein. Ich weiß oft nicht mal mehr, wo ich mich überhaupt hinstellen soll.
Meine eigene Dummheit kommt mir manchmal in den Sinn, wo ich ebenfalls darauf reingefallen bin, die Welt retten zu wollen. Auf alles eine Antwort zu haben, fällt jedenfalls nicht in den Bereich von Intelligenz, habe ich festgestellt.
Ich sehe ein, dass manches mal die Dinge den Bach runtergehen müssen, es scheint eine Art Naturgesetz zu sein, aber es ist viel verlangt, sich selbst als betroffen zu erleben, nachdem man gewöhnt ist, viele Jahrzehnte lang ein gutes Leben gehabt zu haben.
Jedenfalls hat sich meine Sicht auf Gutmenschlichkeit doch sehr verändert in den letzten Jahren und wenn ich eins gelernt hab, dann ist es, dass die Dinge gleichwohl viel komplizierter sowie sehr viel einfacher sind, als ich dachte/denke. Auf jeden Fall nehme ich Abstand davon, anderen beweisen zu wollen, dass ich ein guter Mensch bin. Ich bin es oft nicht und oft bin ich es. Was ist daran schon was Besonderes?
RE: My values