Nicht sicher, ob ich deiner These zustimmen kann, wenngleich ich sie auch nicht ganz von der Hand weise. In Ermangelung meiner Fähigkeit, kurz zu antworten, hoffe ich, du entschuldigst diese erneut lange Ausführung.
Ich denke, dass die Belohnungs-Token ein Ausdruck und eine Folge von Single-Daseinen ist, innerhalb der verschiedenen Sphären man zwar seine Kreativität und seinen Talenten nachzugehen imstande ist, doch es eher Millionen von Inseln sind, auf denen jeder Einzelne auf seine Insel reduziert zu bleiben droht und eher im Wettbewerb, denn in Zusammenarbeit mit den anderen Inseln steht.
Ich frage mich, ob meine über vierjährige Präsenz auf der Blockchain nicht mehr meiner lieb gewonnenen Gewohnheit als Überzeugung entspringt, Gemeinschaft zu finden und ich besser eine andere Plattform hätte wählen sollen, wie etwa nebenan.de (vielleicht kennst du das Portal?).
Aus mir spricht die Sorge, dass Gesangs, Sport, Karnevals, Schützen- und Kleinkunst-Vereine etc. in der realen Welt ihre Bedeutung verlieren und auch wenn ich selbst nie wirklich dazu gehörte, ich dennoch einen großen Reichtum darin für andere erkenne.
Die Tatsache, dass diese Hobby- und Interessengemeinschaften nicht von Tokens lebten und leben, die Belohnung eher in der gemeinsamen Erfahrung liegt, nicht aber in einer externen Währung. Eine Wirtskneipe virtuell abzubilden ist sinnlos, weil man nicht wirklich betrunken werden kann und keine Kniffel-Runde gespielt wird, die Leute sich hinterher in alle Welt zerstreuen und man nicht sicher sein kann, wen man nächsten Donnerstag am Tresen treffen wird.
Das Herum-Politisieren ist zwar immer schon Bestandteil von Begegnungs- und Wirtshäusern gewesen, doch hat man dort auch ein Schnitzel gegessen, übers Wetter geredet und in den Zwischenräumen, wo das Ungesagte seine Wirkung tat, geschwiegen.
Die fehlende körperliche Präsenz versucht sich wettzumachen durch so genannte Communities, die deshalb einen großen Zulauf zu erfahren scheinen, weil einer mit tokenhaften Incentives winkt. Es herrscht nicht nur unter den Wettbewerbern, die teilnehmen, Konkurrenz, sondern auch zwischen den Incentive-Gebern, die solche Wettbewerbe ausrufen.
Bei youtube zum Beispiel lässt sich erkennen, dass es dort durch die Hobby-Gemeinschaften auch zu realen Begegnungen kommt, etwa bei den Auto-Schraubern, die ihre kleinen Werkstätten unterhalten und ihre do it yourself-Videos hochladen, oft mit einer kleinen Truppe von Beteiligten. Wo Treffen in der Folge veranstaltet werden usw. - Facebook oder Twitter hingegen sind für mich nur Durchlaufposten, virtuelle Pinnwände, deren Geschwindigkeit mir schon längst davon gelaufen ist. Dort, wo sie als reale Kontaktmöglichkeiten genutzt werden, sehe ich aber einen Wert.
Auf welche Weise kann Hive dieses anbieten? Man mag sagen, es ist dafür nicht groß und vielfältig genug (obwohl man gleichzeitig festhalten könnte, dass es sehr international und interessenvielfältig ist), und hätte damit Recht. Die Konflikte jedoch, die sich hier abspielen, scheinen zu verhindern, dass Hive mit der gleichen Leichtigkeit Menschen zusammenbringt, wie man es andernorts beobachtet. Ich denke, ein Fehler im Denken liegt darin, die Möglichkeiten bereits voraus zu "posaunen", dass ein jeder belohnt werde. Die anderen großen Plattformen haben sich erst dazu entwickelt, sie gaben aber nie das Versprechen dazu weit im Voraus ab oder jedenfalls war ich mir keiner anfänglichen derartigen Werbe-Kampagnen bewusst.
Es wird versucht, etwas nachzuahmen, dass Jahrzehnte Entwicklungszeit hinter sich hat und mir scheint, man will dem jungen Gras beim Wachsen helfen, indem man andauernd daran zupft.
Wo die Möglichkeiten für sich sprechen und Erfahrungsräume über das bloße Konsumieren hinaus sich ermöglichen, sind solche Marketing-Aktvitäten eher Beiwerk als Hauptaugenmerk. Ist meine These.
Wie immer, bleibt es abzuwarten.
RE: Media, standardization and Hive