RE: RE: Media, standardization and Hive
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RE: Media, standardization and Hive

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Es spricht mich an, wie du Medien definierst (ohne ein definitives Ende dazu zu geben). Und dabei den Raum erweiterst. Das gefällt mir sehr und ich sehe es genauso.

Ich würde dem hinzufügen, dass Medien, also Kommunikationsmöglichkeiten, die definiert sind, denen gegenüberstehen, die sich nicht definieren oder in ein Standard hinein ziehen lassen.
Straßen geben eine Richtung vor.
Dort, wo keine Straßen die Richtung weisen, ist es der Fußgänger, der auf eigene Faust mit der Umgebung in Kommunikation (Resonanz) tritt. Er bewegt sich abseits standardisierter Pfade.

Diese 4 Innovationen haben die Welt verändert, indem sie die Kommunikation erleichtert haben.

Diese Formen der Kommunikation haben gleichwohl Erleichterung wie Erschwerung geschaffen. Der indirekte Weg der Kommunikation zwischen uns beiden, beispielsweise, ist die Plattform Hive, ich kann dich aber weder sehen, noch hören, noch anfassen. Mir bleibt deine Körpersprache komplett verborgen.

Die Schwierigkeit, die das macht, ist, sich allein auf eine Schrift-Kommunikation zu reduzieren, auf Distanz zu sein. Ich brauche viele Worte, wo ich in der direkten Begegnung vielleicht weniger benötigen würde. Du musst viel Text lesen, was dich vielleicht davon abhalten könnte, jeden Satz aufmerksam zu studieren usw. Das alles wäre im Grunde gar kein Problem, ich könnte dich beispielsweise fragen, ob du einer von zwei ausgesuchten Brief-Freunden sein wollen würdest, mit denen ich eine verlässliche und umfängliche Art des Briefeschreibens unterhalten würde (wo zum Beispiel klar wäre, was der Schwerpunkt unseres Austausches wäre). So du mir beispielsweise deine Email oder Postadresse nennen würdest, würde ich das als den Auftakt einer etwas tieferen Fern-Beziehung definieren. ;-) ... aber sobald ich es so ausdrücke, kann man auch sagen, nicht jede Form der Kommunikation benötigt eine bestimmte Tiefe oder Intensität.

Stark sind Medien (vielleicht weniger Hive) bzw. die anderen gängigen oder weniger bekannten Plattformen und Foren, wo es ums Technische geht, etwa Fragen betreffend Soft- und Hardware, Hilfestellungen bei technischen Angelegenheiten (damit meine ich auch nicht technische Berufe etc.), als Ideengeber für Profis oder Hobbyisten und Amateure, als Verkaufs-Gelegenheiten dessen, was man auf dem Markt anbietet. Von Kunst bis Elektronik, alles dabei.

Wenig bis gar nicht funktionieren internationale Orte wie Hive für den lokalen Raum. Ich habe beispielsweise eine Zusammenarbeit mit einem sehr talentierten Musiker begonnen. Da er in einer anderen Zeitzone lebt, gestaltet sich die Zusammenarbeit oft als sehr schwierig, da wir nur begrenzt zueinander finden aufgrund des Tagesrhythmus und Energie-Levels. Bis man sich kennt und vertraut, vergeht ungleich viel mehr Zeit als wenn er hier in meiner Stadt lebte und wir uns einmal wöchentlich in Person treffen und miteinander proben könnten.

Ich habe beispielsweise die (Schutz?)Behauptung aufgestellt, dass sich in meinem physischen Umfeld keine Menschen finden lassen, die auf genau die Weise mit mir arbeiten würden, wie ich sie mir vorstelle. Es kann aber genauso gut sein, dass ich aufgrund des bequemen Zugriffs auf die Welt von meinem Laptop aus gerade erst durch diese Tatsache zu wenig in meiner lokalen Umgebung in Kontakt getreten bin und sowohl Gelegenheiten verpasst, als auch anfänglich stattgefundene Hemmungen überschätzt habe.

Die seltsame Tatsache, dass sich in meinem Freundes- und Familienkreis sowie unter Kollegen niemand hat finden lassen, der mit mir an Projekten zu arbeiten wünschte, bezeichne ich deshalb als seltsam, weil man annehmen sollte, in einem 50jährigen Leben sich so etwas doch tatsächlich nicht so schwer finden lassen kann.

Die Technik bietet natürlich den Vorteil, dass all jene, die aus meiner direkten Umgebung fortgezogen sind, mir nun auf digitalem Weg näher sein können als vor hundert Jahren. Umgekehrt jedoch, all die Fernen und Fremden mir näher zu bringen, ohne ihnen jemals begegnet zu sein, lässt Platz für Illusionen und Trugschlüsse von besonderer Art :) eine Projektionsfläche par excellence.

All das gesagt, will ich hinzufügen, dass ich im Internet ausgesuchte Kanäle besuche und mich auf das absolute Mindestmaß konzentriere. Qualität über Quantität stelle. Genauso habe ich hier auf Hive nur einige wenige, mit denen ich mich dann umso intensiver engagiere. Die Frequenz beispielsweise, in der ich bei dir kommentiere oder die Zahl deiner Blogs lässt mir Raum zu atmen und zu antworten.

Kann Hive das eine soziale Medium sein, das alle kommunikationstechnischen Bedürfnisse der Gesellschaft befriedigt?

Ich würde sagen, "nein" - weil soziale Bedürfnisse dort am besten bedient sind, wo sie verschiedene Auswahlmöglichkeiten haben und am wichtigsten ist, dass es eine Wahl bleibt. Wo sich die Balance hält zwischen offline- und online-Kommunikation. Beantworten kann man das ohnehin nicht, so ist meine Antwort subjektiv. Hive hat Stärken und Schwächen, wie alle Medien.

Ohje, was für eine lange Antwort! Ich hoffe, du hast irgendwann Zeit, sie zu lesen.