Meiner Ansicht nach bekommen Menschen Kinder, egal, ob sie dafür Kindergeld erhalten oder nicht.
Als ich mich entschied, schwanger zu werden, habe ich nicht eine Minute daran gedacht, dass ich einem Anreiz von außen aufsitzen könnte. Es ist der Wunsch nach Familie gewesen, darunter etwas Tiefergelegenes, welches schwer zu erklären ist. Dann kriegen Menschen Kinder, obwohl sie es nicht geplant haben.
Ich hatte ein biologisches Alter erreicht, in dem ich mir die Frage stellte, ob ich kinderlos bleiben wollte oder nicht. Ich entschied mich für Letzteres.
Mir war zu dem Zeitpunkt im Gegenteil nicht klar, wie viele Opfer die Elternschaft mit sich bringt. Nicht nur von finanzieller Art. Auch das, was du an Energie und Zeit investierst, wird nur zu einem sehr minimalen Bruchteil durch das Kindergeld und die Steuervergünstigungen aufgewogen.
Man könnte jetzt vielleicht sagen, dass nur Menschen, die es sich von vornherein leisten können, Kinder bekommen sollen. Das ist unrealistisch, weil eine solche Regelung nicht durchsetzbar wäre, außer durch Zwang und intensive Kontrolle (die Kosten von sozialer und psychologischer Dimension wären immens, denke ich).
Eine als rein negativ gewertete Einmischung ist für mich, wenn man mir keine Wahl lässt. Zahlungen an Eltern in der Form von Kindergeld sind ein Zugeständnis an die Tatsache, dass ich in einer fremdversorgten Gesellschaft lebe, bei der die Arbeitsteilung und die Spezialisierung in den Berufen eine vorherige Schul- und Berufsausbildung erfordert. Diese Dinge geschahen lange vor meiner Geburt.
Es wäre wünschenswert, wenn es keine Schulpflicht gäbe und keine Steuerpflicht für Gemeinschaften, die sich gegen eine Integration in das staatliche System entscheiden wollen würden, ich denke da an das Beispiel der Amish in den Vereinigten Staaten (wobei ich nicht weiß, wie das dort mit den Steuern aussieht). Wo der Mainstream Platz für Nebenströme lässt, ohne sich alle Bürger einzuverleiben. In einer solchen sich gegenseitig versorgenden Gemeinschaft wäre Geld für Kinder dann überflüssig, weil statt des Geldes die Gemeinschaft mit Zeit und mit ihren Talenten die Kinder mit versorgen würde.
Wenn du aber ohne diesen Gedankengang zu offenbaren, gegen Kindergeld plädierst, kann das zu Missverständnissen führen. Die Lösung hieße dann nicht negativ "Abschaffung von Fehlanreizen durch Kindergeld", sondern positiv: "Tolerieren von alternativen Lebensmodellen".
Allerdings, wenn die Leute selbst diese alternativen Lebensgemeinschaften nicht von sich aus ins Leben rufen, etwa durch Hybrid-Gemeinschaften (die dann später vielleicht weitestgehend eigenständig funktionieren), wie beispielsweise die Kommunen, die es hier und da gibt und nicht in der Lage sind, die Verwaltungen der Städte und Gemeinden von ihren Absichten zu überzeugen, bleiben wir in dem System, das wir haben.
Hierzu sind kluge und vor allem ausdauernde Menschen nötig, die früh genug erkennen, dass sie ein Leben außerhalb der staatlichen Versorgung zu führen wünschen. Die Regierung wird solches nur dann unterstützen oder tolerieren, wenn sie merkt, dass die Leute nicht nur labern, sondern es mit ihren Lebensmodellen ernst meinen. Die Überzeugungen, die hierbei zum Ausdruck kommen, benötigen für einen positiven Effekt starke Persönlichkeiten, die das Talent haben, sich im Rahmen der bestehenden Regulierungen ihre Nischen zu erarbeiten und Stadträte sowohl juristisch wie philosophisch auf ihre Seite zu bringen.
Meiner Ansicht nach segeln Regierungen auch nach dem Wind, der von "unten" weht, und nicht allein, wie angenommen wird, nach dem von "oben" (obwohl man sagen kann, dass letzterer sehr viel schärfer wehen kann).
Die Zahlung, wenn ich sie als eine psychologische Komponente betrachte, hat einen bestätigenden und anerkennenden Aspekt für Eltern. Würde man diese Zahlung beispielsweise zum gegenwärtigen Zeitpunkt einstellen oder ankündigen, dass künftig kein Kindergeld mehr fließt, welche psychologische Botschaft hätte dies an Menschen, die bereits Kinder haben und keine einzige Idee von alternativen oder anarchistischen Gemeinschaften?
Die mentale Wirkung wäre, so ist meine Annahme, weitaus größer und niederschmetternder, als vielleicht das fehlende Geld in der Familienkasse.
RE: Wie die Familienpolitik Familien schaden kann / How family policy can harm families