RE: RE: Eine Anthropologie des Wohlfahrtsstaates
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RE: Eine Anthropologie des Wohlfahrtsstaates

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Schön, wie du den Missstand auf den Punkt bringst, was den Wohlfahrtsstaat angeht.

Die sozialen Sicherungssysteme sind aus meiner Sicht deshalb so schlecht, weil auf der Geberseite das Interesse des Selbsterhaltes größer ist als das Interesse daran, die Menschen als mündig zu akzeptieren. Das Unmündigsein ist bereits in den Sozialversicherungen enthalten, beispielsweise bei der Krankenversicherung, da der Beitragszahler nie eine Arzt- oder Krankenhausrechnung sieht und daher auch gar nicht selbst prüft, ob, was abgerechnet wurde, auch stimmt und was seine Krankenbehandlung eigentlich kostet.

Auch jeder Arbeitnehmer hat im Grunde keine Ahnung von Wirtschaft, weil alles für ihn erledigt wird, er von den Kosten und sonstigen Vorgängen in einem Unternehmen keine Ahnung hat. Soll er vermutlich auch nicht haben, weil, wer unternehmerisch denkt, würde sich eigentlich nicht mit einem Gehalt abspeisen lassen, sondern mit einem Anteil am unternehmerischen Gewinn (oder eben auch Verlust).

Dass überhaupt kein Unterschied zwischen großen und kleinen Unternehmen gemacht wird, oder kaum einer, hilft auch nicht dabei, sich selbstständig zu machen.

Aber im Prinzip ist das alles nicht gut, weil wir in einer reinen Geld-Wirtschaft leben und ein Leben, das sich nur über Geld und nicht über andere Werte und nicht monetäre Tätigkeiten leben lässt, aus der Erwerbslebenfalle nicht rauskommt. Arbeit muss Spaß machen und Sinn geben, wenn beides nicht gegeben ist, bleibt nur Geldverdienen. Das war immer schon zu wenig. Dann lässt man sich eben durch den Staat versorgen, der davon ziemlich gedeihlich lebt, denn der Staat, das sind wir, die Arbeitnehmer, die in staatlichen Institutionen arbeiten sollen oder in Konzernen, die sich mit der Regierung verheiratet haben und nun das dominierende Oberhaupt geworden sind.

Mangels fester Rechtsansprüche und dank persönlicher Beziehungen waren die friendly societies oder Gewerkvereine wesentlich flexibler. Sie verschwanden nicht, weil sie überfordert waren, sondern wurden im Moment ihrer größten Leistungsfähigkeit zwangsweise dem Staat einverleibt.

Kannst du das näher erläutern? Wie ist das sich Einverleiben geschehen?

@erh.germany: Schön, wie du | Ecency