Denkblockaden sind wie unsichtbare Gitter, die unseren Geist in einer Art Spiegelkabinett gefangen halten. All zu leicht lassen wir uns von den Reflektionen all der äußeren Eindrücke, die wie wild in diesem Spiegelkabinett umhertanzen und schließlich verzerrt und auf den Kopf gestellt in mannigfachen Varianten zu unserem Bewusstsein zurückstrahlen, ablenken und in die Irre führen. Einen Ort der Ruhe zu finden, fernab des inneren und äußeren Lärmens dieser Welt, einen Ort, der die ungestörte Zwiesprache mit sich selbst zulässt, ist eine derartige Ungewöhnlichkeit in unserer ge- und verhetzten Welt geworden, dass es für die meisten Menschen schlicht eine Absurdität, wenn nicht gar Idiotie, darstellt, dass es einen solchen Ort der Ruhe bzw. einen solchen meditativen Zustand überhaupt geben kann.
Doch auch für die inneren Eindrücke haben wir es uns angewöhnt, unser inneres Spiegelkabinett so zu arrangieren, dass ein ausgesendeter Gedanke einer wohl durchdachten Logik von Reflektionen über durch uns selbst penibel angeordnete Spiegel folgt und wir erfahren höchste Befriedigung, wenn sich neue Gedankenimpulse dieser Sinfonie des Wohlklangs von Schallreflektionen hingebunsvoll ergeben: dann, wenn sich eigene Gedanken und auch äußere Gedankenimpulse harmonisch in unser selbst erschaffenes Kabinett der Schwingungen einfügen, um schließlich - der uns wohl bekannten Logik folgend - zu uns - in vollster Kraft zurückzustrahlen - dann fühlen wir die umfassende Bestätigung unseres Selbst - unserer selbst erschaffenen Ordnung.
Mit diesen inneren und äußeren Spiegeln schaffen wir und auch jene, von denen wir uns einreden lassen, wie wir unser geistiges Spiegelkabinett auszurichten haben, jedoch unser eigenes geistiges Gefängnis. Letztlich umgibt uns ein Wirrwarrr an verschiedensten Spiegelkabinetten, die uns hindern, unseren Geist unreflektiert strömen zu lassen und die Welt hinter den Spiegeln zu erkunden. Von Zeit zu Zeit werden Spiegel zertrümmert, ganze Kabinette fallen in sich zusammen, doch alle sind wir fleißig, wenn es darum geht, aus den entstandenen Splittern neue Kabinette zu erschaffen. Letztlich bedarf es der Spinner und Querulanten, um die geschaffenen Ordnungen der Spiegel immer und immer wieder zu zertrümmern, doch sind es gerade die Spinner, denen man am wenigsten zutraut, eben weil sich deren Spinnereien so wenig im selbst geschaffenen Spiegelkabinett der inneren und äußeren Ordnung einordnen lassen.
Nur, wer den Willen hat, die innere Ordnung gleichermaßen der äußeren ständig zu hinterfragen, wird in der Lage sein, ab und an einen Blick hinter die Spiegel zu werfen. Von Zeit zu Zeit sollte sich der Mensch von all den äußeren Dingen zurückziehen, um in Ruhe über die Ordnungen, die ihn umgeben und selbst erfüllen, zu reflektieren. Lassen wir diese Momente der Freiheit nicht zu, greifen wir selbst nicht beherzt nach dieser uns zustehenden Freiheit, verkümmern wir selbst zu einem glanzlosen Spiegel im Kabinett der Sinne; zu einem Objekt, getrieben von den Reflektionen ohne jeglichen eigenen Impuls.
Finde den Ort Deiner Ruhe und schau hinter die Spiegel.