[DE] "Geist-Materie" · Wer wir sind

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Dem Leben gewidmet

Zum Leben gehören auch das Leid und Elemente unserer Persönlichkeit, die wir nicht so gerne wahrhaben möchten. Wer wissen möchte, was ich meine, sollte mal "Demian" oder "Unterm Rad" von Hermann Hesse lesen. Das Leben ist also ein Kreislauf, ein Weg mit Hoch und Tiefs, eine Reise, auf die wir uns selbstbestimmt eingelassen haben.

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Wer, wie manche Kirchenvertreter, unser Dasein im Himmel, Gott und Jesus (also: den Geist) überbetont, vergisst diesen Zusammenhang schnell. Vor allem vergisst er die Materie. Wir müssen da alle durch. Eben, weil wir uns freiwillig auf dieses Abenteuer hier eingelassen haben. Den Erfolg unserer Reise vorwegzunehmen ist so als würden wir sie gar nicht antreten. Das Ziel, von dem die Kirchenvertreter sprechen (das Jenseits, der Himmel), ist eigentlich die Vorbedingung für unser Dasein in der Welt. Die Welt kann aber nur über die Materie (mater: Mutter bzw. Gebärmutter) betreten werden.

Wenn wir wirklich etwas verbessern möchten, sind unsere Gedanken GENAUSO WICHTIG wie unser Handeln. Und der Ursprung unseres Handelns hier auf der Erde sind die Mütter und die Kinder. Sie sind am schutzbedürftigsten. Das Kleine, das einmal groß sein wird, ist unsere Zukunft und bedarf unserer ganzen Aufmerksamkeit.

Die Zeit und die Mittel, die eine Gesellschaft den Bedürfnissen ihrer Kinder widmet, ist mit höchster Wahrscheinlichkeit ein akkuraterer Index für den Zivilisationsgrad als die anthropologischen Indizes von Komplexität oder Energieverbrauch. (Lloyd deMause: Das emotionale Leben der Nationen: 180)


Schau dich mal in der Natur um. Was ist klein und wird einmal groß werden bzw. möchte es (seiner unverfälschten, ehrlichen Natur nach) zumindest mal werden?

Auf der basalsten, allgemeinsten Ebene lassen sich diese Gedanken mit einem (zunächst sehr simpel klingenden) Konzept zusammenfassen: Geist und Materie sind eins. Heide Göttner-Abendroth sagt es sehr schön: Wir sind eigentlich so etwas wie "Geist-Materie" (Sie sagt auch: "Kinder und Frauen sind… die Zukunft jeder Gesellschaft."). Die Matriarchatsforschung und die Patriarchatskritik können diesen Zusammenhang sehr schön erklären. Möglicherweise auch die Philosophie.

Hier sehe ich allerdings ein Problem. Denn die Philosophie hat den Weg vom Matriarchat zum Patriarchat kräftig mitgetragen. Es fing an mit der Entmytholigisierung der Welt (vom Mythos zum Logos in der Antike), ging über die Entdeckung der Wissenschaften in der Neuzeit und fand seinen vorläufigen Höhepunkt in der absoluten Trennung zwischen Geist und Materie im deutschen Idealismus des 19. Jahrhunderts. Das Magische ist wegrationalisiert. Wir leben als Atome in einem Sternenhaufen, wie ein zerbrochener Spiegel.

Ja, das macht mich sehr traurig. Aber solange wir unseren Blick für das Schöne, Einfache und Kleine in der Welt bewahren können, besteht vielleicht noch Hoffnung. Ich sehe diese Hoffnung nicht so sehr in der Kirche, auch wenn sie viele matriarchale Elemente übernommen und dadurch erhalten hat. Vielmehr sehe ich sie überall dort, wo noch friedliche Herzen existieren.

Es fällt mir schwer, genau zu erklären, was ich meine. Das liegt daran, dass ich mich auch auf etwas beziehe, das man nur erfühlen, aber nicht rational beschreiben kann. Ich frage mich: Wo ist das Herz dieser Welt? Wo ist es in Gefahr? Kann ich den Weg zu ihm unbeschwert gehen? Oder muss ich aufpassen? Ja, ich denke, wir müssen den Frieden in unserem Herzen jeden Tag aktiv durch bewusste Gedanken bewahren. Es ist eine schwierige Aufgabe, aber es ist die, die uns am meisten belohnt. Der Frieden in unseren Herzen ist das größte Geschenk der Welt. Wahre Glückseligkeit.

Auch wenn wir das Herz der Welt nicht wahrnehmen oder es vielleicht nie gekannt haben. Ich plädiere sehr dafür, es zumindest nicht abzulehnen oder auszuschließen, wie es z. B. die Kirche mit ihrer Trennung zwischen Geist und Materie macht.

Das ist meine größte und dringendste Bitte.




12.04.2019 UTC + 1


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