Hallo lieber Infizierter,
ich heiße dich Willkommen bei den Überlebenden. Leider kann ich dir nicht genau sagen, wie lange Du noch zu Leben hast. Ich für mich, weis das nämlich noch nicht einmal genau. Aber keine Sorge, wir werden alle sterben. Der eine früher, der andere später und viele sind noch nicht einmal am Leben.
Schon komisch so ein Kreislauf des Wachsens und Verwesens, oder?
Irgendwas muss da ja dran sein, sonst würde das Konzept Leben/Sterben/Leben/Sterben jeglicher Logik und Sinn entbehren. Heute scheint sich der frische Mensch in seiner leicht primitiv technologisierten Welt kaum noch damit zu beschäftigen, warum, wieso, weshalb er denn am Leben ist. Vor dem Tod, hat er Angst. Aber vor dem Leben scheinbar nicht.
Ich für mich sterbe jeden Tag einmal und erwache nach einigen Stunden wieder. Das ist ein abgefahrener Film. Mein Film, mein Leben und mein Sterben. Das einzige was mich dabei nicht wahnsinnig werden lässt ist die Tatsache, dass ich jedes mal an dem Ort aufwache, an welchem ich gestorben bin. Lustig finde ich den Gedanken allerdings, wenn Menschen dann kollektiv über das Sterben reden und denken.
Als gäbe es so viele Erfahrene, bezüglich diesem Thema. Ganz schlimm ist er, sagt der gemeine Mensch, wäre der Tod, das Sterben, das unweigerliche Verwesen, nach dem erfolgreichem Wachsen und Gedeihen. Aber so richtig sagen, was passiert, wenn man Stirbt, das können nur jene, die der Weisheit Schlüssel gefressen und anschließen gepredigt haben. Die Religioten. Genauso schlimm sind sie, wie die angeblich Wissenden unter uns, versuchen sie einem das Heil zu erzählen und das alles in Gottes Hand liegt, man ihn anbeten soll, wie ein unterwürfiger Hund.
Doch was ist dran, an all den Gedanken und Geschichten zum Tod und dem Leben? Bei genauerer Betrachtung und Hinterfragung, kann einem das wohl keiner befriedigend erzählen. Angst haben wird, vor dem Sterben im Üblichem. Doch warum eigentlich??? Ist es nicht unweigerlich das, was wir alle erleben werden? Warum ist die Angst vor dem Leben nicht genauso "verbreitet"? Ich weiß es nicht. Aber stelle fest, das man sich lieber mit der hellen Seite der Medalie beschäftigt, statt das Ganze Stück an interessanter Geschichte sehen zu wollen.
Heute, stehen wir kollektiv vor dem Unsichtbaren Tod und doch leben die meisten Menschen in meiner Umgebung zumindest noch. Angst haben trotzdem alle und versperren sich ihre Atemwege mit Tüchern und Masken um den Tod auszutricksen...
Ich sage euch mal was, wenn ich etwas weis, dann ist es, dass man den Tod nicht austricksen kann. Das wäre genauso Widersprüchlich, als würde man Herr seines Lebens sein. Ich für mich kann nur ERleben und Erfahren, was mir widerfährt. Zusehen in meinem eigenem faszinierendem Theaterstück durch meine ultra High Definition Augengläser erkennen wollen, worauf das alles hin läuft.
Mein Drang, dieses Theaterstück einem anderem zu ermöglichen, ist dabei unterschwellig essentiell verankert in dem Ticket, welche ich mit dem Buchen dieser Geschichte erworben habe. Quasi eine Teilnahmebedingung, wenn man so möchte. Der Fortbestand, dieser Geschichte und deren Entwicklung ist damit absolut gesichert. Austerben, würden wir rein Mathematisch betrachtet aber dennoch irgendwann. Also ist selbst das ganze Theater irgendwann einmal nicht mehr. Der Mensch nicht mehr Mensch, weil weggestorben, ausgelebt und verendet in seinem Dasein.
Wieso also so viele Sorgen und Nöte in unserem Leben um das Sterben??? Das ist, was mich juckt. Ich lebe nicht gerne in Angst, die kommt von alleine, in Situationen, in welcher ich gelernt habe auf sie zu hören, ihr aber nicht das Steuer zu überlassen. Ich möchte nicht von anderen Menschen, die glauben sie würden über Menschen herrschen, gesteuert und geregelt werden, wie eine Maschine. Und doch, ist es das Grundlegende Konzept, auf welchem unsere Gesellschaft basiert. Überall, zu allen Zeiten, mit Ausnahmen in der Regel, war es die Herrschaft des Menschen über den Menschen, welches sich als Erfolgreiches Konzept etabliert hat.
Das ist etwas das mich stört, ich es aber auch einsehe, als paradoxe Notwendigkeit. Wie wäre es also im Leben, wenn ich mich selbst ermächtigen würde? Täte ich damit einen Sinn, für meine Nachfolger gelebt haben? Ihnen etwas gegeben, das weit höher an Ziel ist, als der Tod und das einfache Fortbestehen meiner Substanz?
Ich denke das ist es, und versuche wie ein einsamer Wanderer, schon viel zu lange und viel zu ungeschickt, diesen schwerlichen und steinigen Lebensweg zu gehen. Irgendwann wurde mir dabei klar, dass ich dies nicht schaffen könnte, aber wenigsten im Kleinen weitermachen sollte, um wenig, dafür aber irgendwie auch mehr zu erreichen, als die meisten um mich herum.
Heute bin ich Reich, Reich an Leben und Erfahrungen, welche ich nicht teilen kann. Und ich habe damit mich selbst Überlebt. Ich wurde nicht aus dem Leben gerissen, weil ich unachtsam war und vom Baum erschlagen, oder vom Zug überfahren worden bin. Ich habe überlebt, das ich Berge hinauf und hinunter gehopst bin und dabei sicher einige mal lieber sterben wollte, vor lauter Kraft welche das Kostet. Ich habe die hässlichsten Situationen hinter mich gebracht, welche ich zu träumen nicht fähig gewesen wäre.
Und das alles nur, um zu Leben. Mich daran zu erfreuen, wenn ich Kinder lachen und Spielen sehe, oder ein liebendes Pärchen entdecke, welchem die Welt nichts anhaben kann, für einen kleinen Augenblick. Ich habe gelebt, wie ein junger Gott und mich oft genug auch so gefühlt. Dabei war mir nur bekannt, das ich mich wenn ich schon ein erschaffenes Ding sein soll, mich selbst erschaffen haben muss. Denn kein Gott, würde anderen das antun wollen, ohne vollkommenes Einverständnis dazu.
Deswegen freue ich mich, hier zu sein und zu leben. Ich freue mich aber auch insgeheim darauf, dass ich eines Tages nicht mehr an der selben Stelle aufwache und diese Geschichte ein ENDE hat.
Salve
Alucian