Ich kenne ein paar Menschen und einen sogar viel zu nah, denen deine Erzählung wohl bekannt vor käme. Ich war selbst "nie" im Gefängnis. Die paar Tage Bunker wegen Sturheit meinerseits das natürliche Recht durch zusetzten, beim Bund, zählen nicht. Sind aber ein kleiner wertvoller Einblick gewesen, wie Menschen wirklich sind, wenn man ihnen die Macht über andere gibt. Das Einzige das man sich denkt, ist vielleicht, was die Strafe mit dem Vergehen zu tun haben soll, aber das war beim Hausarrest als Kind schon so.
Heute findest du die Zustände von damals eher selten an besagten Orten. Es hat sich einiges getan. Sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten. Von innen durfte ich sie mir auch ansehen. Aber nur als Besucher. Zu Vermeiden war es am Anfang für mich dort zu landen. Später im Gefühl der schier endlosen Suche nach einer erfüllenden Aufgabe, wäre mir jeder Ort Recht gewesen, nur nicht mit mir selbst alleine zu sein.
Das ist alles lange her für mich und doch scheint es wie gestern. Ohne diese Erfahrungen hätte ich mich nie auf die Suche nach dem Sinn dahinter gemacht und auch viel zusätzliches Wissen angeeignet. Beispielsweise sitzen in der Klapsmühle gar nicht so viele "Verrückte", wie man (sie) sich vorstellt, wird man mal selbst dort Gast.
Das zweite mal antesten wo man Hilfe sucht und doch eher etwas anderes bekommt, soll dann aber auch Genug gewesen sein. Ein schöne Käseglocke kann ich mir einfacher erschaffen. Und genau so sehen viele heute auch den Knast. Ein Ort des Schutzes. So dumm es sich anhören mag. Aber wie du beschrieben hast, hat man dort für nicht wenige einen Ort der "Normalität" gefunden und sich in der Tat selbst einsperren lassen.
Beim ersten mal habe ich das noch nicht ganz geglaubt, als ich es gehört habe. Beim zweiten mal habe ich es mitbekommen und geglaubt.
Das kann keine gesunde Gesellschaft sein, wenn es so läuft. Es kann nicht viel Sinn machen, diese Gesellschaft mit allem was man hat, weiter zu fördern und zu unterstützen. Also sucht man erst nach Antworten auf die Fragen und anschließend nach Lösungen. Meine Persönliche, habe ich gefunden, weil die Gratwanderung, bei Gott gerade so richtig gelaufen ist für mich, weder auf die eine Seite noch auf die Andere abzurutschen.
Ich habe mich immer irgendwie zwischen Arm und Mittelschicht bewegt. Kenne die Menschen und weis, das es oft nur Details waren, welche sie unterscheidet und so auseinanderdriften lässt. Viele kluge Köpfe mit der Flasche Bier in der Hand durfte ich kennen lernen, genauso Idioten mit Abitur die dachten sie wären Gottes Ebenbild in Reinform und jeder hätte zu tun, was man nur denkt.
Beide "Seiten" sind etwas, das mich getroffen hat wie ein Schlag beim Erwachsen werden. Vielleicht bin ich zu behütet und zu gleich auf dem Lande aufgewachsen. Vielleicht habe ich eine Welt kennen gelernt, die nicht wiederspiegelt wie unterschiedlich wir sind, sondern nur weiteratmet, was schon viele viele Generationen vorher, geatmet haben. Nämlich Freiheit und Gleichheit. Erst in der Stadt, trifft es und beim ersten Urlaub in fernen Ländern, tritt es noch einmal gewaltig hinter her.
Die Welt ist ein grausamer und ungerechter Ort. Wo zwischenmenschlich der Mensch nicht so verkehrt und unterschiedlich ist, kann man je weiter man sich entfernt und die Sache "von Oben" betrachtet, Strukturen feststellen, die sehr hässlich sind und auch so wirken.
Hast du etwas, bist du etwas, hast du nichts, dann wird man dir das Wenige das du hast, auch noch weg nehmen. Bei Gott wie wahr und so wird der kluge Kopf schnell zum Typen mit der Flasche in der Hand. Egal ober er studiert hat, egal ob er angesehen war. Es war nur ein Schleier, ein zerbrechlicher goldener Käfig.
So sieht es aus. Und so kann es nicht weiter gehen. Nicht für eine angeblich zivilisierte Welt, die menschlich, durch jeden Eingeborenen-Stamm im Urwald um längen geschlagen wird.
Ich bin Deutscher, soll Denker sein und die Welt verbasteln können. Aber es fehlt uns gewaltig an etwas. Und dieses Etwas, muss ausgelebt werden dürfen. Erfahren werden dürfen. So lange aber andere, Menschen als ihr Spielzeug betrachten und der Mensch über den Menschen herrscht, wird nicht gelebt, sondern zum Großteil gelitten.
Wir sollten uns erheben, hinterfragen was wir gelernt haben und zu sehen, wohin es führt. Ob wir das wollen? Ich bin fast sicher, natürlich nicht ganz, aber fast, das die meisten Menschen, ob Arm oder Reich, oder dazwischen, etwas mehr vom Leben erwartet haben. Gerade in unserem Land.
Danke dir Isabella für deine offenen Worte. Das hätte ich mir im übrigen fast gedacht, welche Laufbahn du ungefähr eingeschlagen hast. :-)
Ich bin diese Tage mit "meiner" kleinen Hexe unterwegs und kann nicht gleich zurückschreiben. Man hat mir zwar Beigebracht, es würde nichts davon laufen. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob ich in meinem Alter damit schon ein aussterbender Dinosaurier bin, wenn ich mich umsehe.
Liebe Grüße viel Sonne und Licht
Alucian
RE: Wohnen im Knast