Sommerblumen

Liebe Naturfreunde,
jeder kennt wohl die Sonnenblume (Helianthus annuus), den Archetypus der Korbblütler. Die bis zu 30cm (Durchmesser) großen Körbe können bis zu 15.000 einzelne Blüten enthalten! Ich finde die Geometrie der Blütenanordnung faszinierend!
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Die Sonnenblume ist wie viele andere Pflanzen erst im Mittelalter nach Europa gekommen, davor war sie nur in Nord- und Mittelamerika verbreitet. Sie wird vor allem als Öllieferant angebaut und der Kerne wegen. Geröstete Sonnenblumenkerne sind in manchen Ländern sehr beliebt als gesunder Snack, früher hat man sie auch als Kaffee-Ersatz verwendet. Neben Speiseöl gibt es unzählige Anwendungen von Sonnenblumenöl in der Medizin, Pharmazie, Industrie und als Teil von Biodieselkraftstoff. Der wichtigste Produzent ist Russland.

Apropos Geometrie, auch Gräser können aus der Nähe betrachtet hübsch aussehen, auch wenn sie keine dekorativen Blüten aufweisen.
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Aber das wars auch schon mit den Gräsern. Meinen Versuch, ein paar Arten auszuwählen und zu beschreiben, habe ich endgültig aufgegeben, auch die Pflanzenbestimmungsapp versagt hier kläglich.

Kein Gras, sondern auch ein Korbblütler ist der Gewöhnliche oder Gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris).
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Der Beifuß enthält Kampfer und andere ätherisches Öle. Seine Inhaltsstoffe werden vielfältig genutzt, als Gewürz (wegen der Bitterstoffe), in der Perfumherstellung, der Aromatherapie und in der TCM. Der Name kommt vermutlich von der Beobachtung, dass Beifuß beim Laufen Ausdauer verleihen würde, das hatte schon Plinius berichtet!

Auf unserer Terasse wächst seit vielen Jahren ein Lavendel (Lavandula sp.), eine Pflanze, die im Gegensatz zu Gräsern kaum zu verwechseln ist. Der wird den ganzen Sommer über fleißig von Bienen, Hummeln und seltener von Schmetterlingen besucht. Weiß jemand, welcher Schmetterling das ist?
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Vor allem der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) wird in der Parfumindustrie geschätzt, aber Lavendel generell ist auch bei Imkern beliebt, da Nektar aus Lavendel besonders zuckerhältig ist. Man kann damit auch Gerichte verfeinern.

Auf diesem Gewöhnlichen Wasserdost (Eupatorium cannabinum) sitzen ein männliches (unten) und ein weibliches Exemplar vom Kaisermantel (Argynnis paphia) (man kann sie am leicht unterschiedlichen Muster auseinanderhalten). Kurz nach dem ich das Foto machte, sind sie auch schon auf und davon zum Turteln (oder was Schmetterlinge beim Tandemflug sonst so machen).
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Der Gewöhnlichen Wasserdost, der erst im August und bis in den Oktober hinein blüht, ist eine wichtige Nektarquelle für Schmetterlinge und andere Insekten, da viele Sommerblumen zu der Zeit schon ihren Zenit überschritten haben. Dieser Korbblütler wurde früher vor allem gegen Grippe, Erkältung und Fieber eingesetzt, aufgrund seiner hohen immunstärkenden Wirkung (Quelle).
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Auch die Blüten des Gartengeißblatts (Lonicera caprifolium), auch "Jelängerjelieber" genannt, werden gerne besucht, abends auch von Nachtfaltern. Nach einem Tag beginnen sie schon zu verwelken.
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Der Name dieser Kletterpflanze kommt wegen der langen, windenden Sprossachsen und wohl auch wegen der langen Blühzeit bis Oktober. Die getrockneten Blüten wirken schweiß- und harntreibend und schon die Kelten benutzten sie bei Leberbeschwerden und Atemwegsinfektionen (Quelle).

Trotz des Namens nesselt die Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) nicht.
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Sie wird gerne als Zierpflanze eingesetzt, wegen ihrer Blütenform wird sie mancherorts (z.B. in Bayern) Fingerhut genannt.

Ein Punktierter Gilbweiderich (Lysimachia punctata). Am behaarten Stengel kann man ihn vom Gewöhnlichen Gilbweiderich unterscheiden.
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Er wird ebenfalls gern als Zierpflanze eingesetzt, aber da er recht frostresistent ist, kommt er oft verwildert vor.

Eine Ansammlung von Wilde Karde (Dipsacus fullonum), noch vor der Entfaltung der Blüten.
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Irgendwie hat sie etwas Alienhaftes (vermutlich habe ich zuviel Phantasie). Jedenfalls ist die Wilde Karde eine alte Heilpflanze. Schon im Mittelalter wurden Wurzelauszüge gegen Gelbsucht, Leberbeschwerden, Magenkrankheiten, sowie Warzen und andere Hauterkrankungen verwendet.

Regentropfen auf Blättern.
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Nach langer Zeit habe ich wieder einmal Tollkirschen gesehen. Achtung: Alle Teile der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna), nicht nur die Früchte, sind hochgiftig!
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Ich hab ein paar in unserem Garten eingesetzt, mal sehen, ob was draus wird.
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Wer mehr über die Geschichte und Eigenarten dieser magischen Pflanze erfahren will, dem sei dieser post ans Herz gelegt.

Die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) ist in Futterwiesen unbeliebt, da die Dornen das Weidevieh verletzen können. Sie wird erstaunlicherweise vor allem von Bienen bestäubt, obwohl sie keinen Nektar anbietet.
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Hauhechelwurzeln (Radix Ononidis) waren schon in der Antike als harntreibend bekannt und werden bis heute als Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfektionen und zur Vorbeugung gegen Nierensteine verwendet (Quelle). Historisch wurde sie auch bei Gicht und Rheuma verwendet, aber die Wirkung gilt als nicht belegt.

Auch der Gewöhnliche Blutweiderich (Lythrum salicariaim) wurde schon im Altertum als Heilpflanze verwendet. Die Pflanze besitzt aufgrund ihres hohen Anteils an Gerbstoffen stark bakterizide, blutstillende und harntreibende Eigenschaften und wurde daher bei Ekzemen, Durchfällen, Ruhr und Cholera verwendet. Sie soll auch vor Typ 2-Diabetes schützen.
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Ich wünsche Allen noch einen schönen Sommer. Genießt ihn (der Herbst kommt früh genug)!

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