Die wunderbare Welt des 9-€-Tickets

Mein erster Einsatz an der 9 € Front der Bahn!
Ich bin wie du vielleicht bemerkt hast begeistert von dem Vorpreschen unserer Gesetzesmacher im Bereich Bahn-Infrastruktur. Zwar begrenzt es sich auf ein Ticket aber das ist wohl mehr als 30 Jahre lang gemacht wurde.

Ich habe tatsächlich den 01.06.2022 herbei gesehnt und mir im geheimen das totale Chaos erhofft. Schliesslich ist es das was die Bahn direkt und indirekt angekündigt hat.
Ich habe mir den Tag frei genommen um mein vorab gekauftes 9 € Ticket genau an diesem Tag auszuführen.

Meine Abenteuer mit dem 9€-Ticket jetzt hier und exclusiv auf Hive!

Das Ticket um das uns Generationen noch bewundern werden.

Einen ganzen Tag der Deutschen Bahn zu widmen ist nicht normal, das verstehe ich. Es muss schon viel zusammen kommen wenn man das kostbarste Gut das ein Mensch hat so verschwenderisch zum Fenster heraus wirft: Die Zeit!

Ich hatte mir ein Zug um kurz nach 8.00 Uhr ausgeguggt, er sollte mich nach Craislheim bringen um dort natürlich, umzusteigen, schliesslich fahre ich Nahverkehr. Die Runde die ich fahren wollte war zum grössten Teil nicht Hauptverkehrsroute nur gegen Ende sollte es ein stark frequentiertes Stück geben.
Ein Sitzplatz war schnell gefunden auch alle anderen hatten es bequem und konnten aus Sitzplätzen auswählen. Ca. die Hälfte der Sitzplätze war belegt vielleicht etwas weniger. Fazit nach meinem ersten Zug von insgesamt 7 an diesem Tag: Scheint alles wie immer zu sein.

Mein Aufenthalt in Crailsheim waren ordentliche 30 Minuten, hat gereicht um kurz aus dem Bahnhof zu laufen, keine Bäckerei zu finden und schnell wieder zurück. Auch der folgende Zug war sehr überschaubar, aber es gab da doch einen kleinen Höhepunkt. Die 2 Fahrkartenkontrolleure trafen sich in der Mitte des Zuges und führten Small-Talk, direkt vor mir.
Neben viel belanglosem Zeug was der eine der hübschen anderen erzählte über seine geldaufwenigen Renovierungsarbeiten, sprang das Thema dann irgendwann auf besagtes Ticket.


Gedächtnisprotokol:

Dauerlaberer Ticketkontrolleur: Und jetzt geht das los mit den 9 € Tickets.

Hübsche Ticketkontrolleurin: Und das 3 Monate lang.

Dauerlaberer Ticketkontrolleur: Wenn das jetzt immer so voll ist (haben mind 10 Min. ungestört geredet).

Hübsche Ticketkontrolleurin: Und jetzt kommt auch noch Pfingsten.


Meinen nächsten Umsteigebahnhof habe ich erreicht, die hübsche Ticketkontrolleurin macht mir die Türe auf nachdem ich vergeblich auf das blinkende Licht gepresst habe. 20 Minuten muss ich an einem Bahnhof verbringen wo es sonst nichts gibt außer ein paar Gleisarbeiter, ein Mann mit Aktentasche und ein älterer Herr mit Krücken.

umstiegsbahnhof_goldsh_fe_2_.jpgDurchschnittlich sandsteiniger Umsteigebahnhof

Ich bin am Gleis 2 J angekommen und fahre am Gleis 2 F weiter. Klare Sache es geht am gleichen Gleis weiter, entweder weiter hinten oder weiter vorn. Ich setzte mich auf eine Bank und warte gelangweilt bis 3 Minuten vor Abfahrt und gehe dann zum Gleis und bemerke...
...hier steht nur was von Gleis 2 J und nichts weiter, es ist auch eine sehr kurze Haltestelle. Irritiert laufe ich Richtung Bahnhofsgebäude den das Gleis neben 2 J ist das Gleis 1, von einem Gleis 2 F ist nichts zu sehen.

Ich denke noch, es wird doch kein Harry Potter Streich sein und eine geheime Türe geben. Ich laufe zur anderen Seite des Bahnhofs wo die Arbeiter sind, alles hier scheint Baustelle zu sein, aber es gibt ein Gleis.
Einmal orientiert entdecke ich tatsächlich ein Schild 2 F und mit der Entdeckung fährt auch schon mein nächster Zug ein.

Der dritte Zug ist eine klassische Bummelbahn eine RB. Lange sitzen kann ich trotzdem nicht, nach 20 Minuten war auch dieser Fahrspass zu Ende und ich war, wer hätte es gedacht an meinem Hauptziel für diesen Tag angekommen: Nördlingen.
3 Stunden Fahrt und Umsteigezeit ohne jede Verspätung oder Unannehmlichkeit.

Ich hatte 3.30 Std. Aufenthalt an meinem Ziel, genug um die Altstadt leer zu laufen und auch etwas außerhalb der Stadtmauern mit zu nehmen. Fazit zu meinem Ziel: Lohnenswert
Konsumnachweis: Cafe, belegte Brötchen und ein Waffelriegel eines einheimischen Polenmarktes.

n_rdlingen_altstadt_2_.jpgNördlingen an der Grenze zu Ba.Wü. im schwäbischen Bayern.

Inzwischen hatte ich merkbar zu viel Sonne abbekommen, clever wie ich bin habe ich auf unnötiges Gepäck verzichtet, dies beinhaltete auch eine Mütze, eine Sonnenbrille und die Sonnencreme.
Der vierte Zug des Tages startet pünktlich und blieb dann irgendwo auf der Strecke einfach stehen. Nach 5 Minuten gab es die Durchsage das man jetzt 5 Minuten Verspätung hat und das es jetzt weiter geht.
Nicht tragisch den die Umsteigezeit im folgend Bahnhof war wieder großzügig.

Nun kam der letzte entspannte Teil meiner Zugreise, es ging Richtung Stuttgart und alle hatten bequem einen Sitzplatz gefunden. Die einstündige Fahrt habe ich im Sonnenbrand-Delirium verbracht und war deshalb auch schnell vorbei.
In der Landeshauptstadt von Ba.Wü. ist Baustelle und das schon sehr sehr lange. Baufenster ermöglichen es auf ein Milliradengrab das sogenannte "Stuttgart 21" herab zu sehen.

In einer S-Bahn ging meine (inzwischen) Tortur weiter. Randvoll war sie, den es war später Nachmittag und damit Hauptverkehrszeit. Ich trippelte auf meinen beiden Füssen hin und her, den Sitzplatz gabs jetzt nicht mehr.
An jeder zweiten Haltestelle gab es Probleme mit Zugfahrenden die in der Türe standen oder sie sonstwie blockierten und damit die Weiterfahrt verhinderten. Die Lösung kam dann meist mit einer hinweisenden Durchsage nicht in den Eingangsbereichen zu stehen.

Keine Ahnung ob ich vor meinem letzten Umstieg pünktlich angekommen bin den es war wieder mehr als genug Puffer eingeplant. Ein RE stand schon bereit zum Einstieg auch wenn er noch nicht los fuhr. Nach einigen Minuten warten im Zug eine Durchsage: Am Gleis nebenan fährt ein Zug mit gleichem Ziel ein der zu erst abfahren wird.
Ok, Zug gewechselt, es handelte sich wieder um eine RB die brechend voll war. Aber alle haben hinein gepasst. Jedes Kuhkaff darf sich Haltestelle nennen und der direkte körperliche Kontakt mit den Mitfahrenden hat auch etwas.

Fazit: Nach 7 Zügen und 10.5 Stunden verreisen bin ich völlig fertig zu Hause angekommen. Zwar war das Hauptproblem die Sonne aber die Bahn war auch Teilhaber meiner Zerknirschtheit. Trotzdem muss ich sagen hat doch alles relativ reibungslos funktioniert wenn man von der Reibung zwischen den Fahrgästen am Ende absieht. Meine Empfehlung: Kauft das 9 € Ticket und macht die Bahn voll!


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