Komplikation bei einer bi-nationalen Ehe: "Mein Name sei verschwunden"

Vor ein paar Jahren hatte ich schon mal ganz grob über die Komplikation geschrieben, die die bi-nationale Ehe mit sich bringt und habe versprochen, danach noch die einzelnen Fällen ausführlicher zu erzählen. Der alte Bericht könnt ihr hier nachlesen.

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Quelle: Pixabay

Ich habe nun gemerkt, dass ich mein Versprechen noch nicht erfüllte. Jetzt scheint es die beste Zeit zu sein, es doch noch zu tun.

Heute möchte ich eine lächerliche Geschichte teilen, die ich persönlich erlebt habe und mit dem Thema Nummer zwei in meinem oben erwähnten alten Artikel zu tun hat, nämlich:

Das "Nachnamen"-Problem


Indonesien besteht aus mehr als 1300 ethnischen Gruppen, daher haben sie viele verschiedene Traditionen, und eine davon ist die Tradition der Namensgebung ihrer Leute. Einige der ethnischen Gruppen haben die vererbbare Nachnamenskultur, aber einige andere haben sie nicht.
Das javanische Volk zum Beispiel hat diese Kultur nicht.
Es gibt zwar einige adlige Familienclans, die den Nachnamen des Vaters an ihre Kinder weitergeben, aber es ist keine Tradition, die als normaler Brauch für alle Javaner angesehen wird. Vermutlich übernahmen diese wenige adligen Familien die holländische Kultur während der Kolonialzeiten.
Denn wenn wir uns die Namen der Könige, der Königin und all ihrer Prinzen und Prinzessinnen in den Annalen der Geschichte ansehen, scheinen sie nicht immer den gleichen Nachnamen wie ihre Vorfahren verwendet zu haben, selbst wenn sie noch dem gleichen Dynastie angehören.

Die Javaner sind die dominierenden Volksgruppe in meinem Heimatland und die starke Politiker stammten fast alle aus Java. Ich kann mir vorstellen, dass dies der Grund ist, warum das indonesische Rechtssystem den Gebrauch des "Nachnamens" nicht so anerkennt, wie viele andere Nationen ihn verwenden.
Deshalb, auch wenn die Volksangehörigen von: Batak, Ambon, oder Indonesier mit chinesischer Abstammung zum Beispiel, die Tradition haben, ihre Nachnamen an ihre Kinder weiterzugeben, würden diese Namen vor dem Gesetz nicht als Nachnamen behandelt, sondern einfach als Teil des Namens dieser Person genommen.
Der "Familienname" würde sich durch Heirat/Scheidung nicht ändern, sondern kann nur durch ein Gerichtsbeschluss und auf Antrag geändert werden.

Die Implikation war ziemlich klar: Wenn ich den Nachnamen meines Mannes verwenden möchte, muss ich zum Gericht in Indonesien gehen und ein Namensänderungsverfahren beantragen. Nachdem ich den Gerichtsbeschluss erhalten habe, kann ich den zusätzlichen Namen vom Standesamt in meinen Personalausweis und Reisepass eintragen lassen.
Dieses Gerichtsurteil muss ich jedes Mal beifügen, wenn ich irgendwelche Dokumente, auf denen noch mein alter Name steht, zum Nachweis meiner Identität benötige.
Wirklich lästig, oder?
Da es keine Garantie dafür gibt, dass jede Ehe nur einmal im Leben geschlossen wird, wäre es noch problematischer, wenn eine Scheidung bzw. eine neue Eheschließung stattfinden würde.

Vielleicht würdet ihr sagen: "In Deutschland müssen Frauen doch nicht mehr den Nachnamen ihres Mannes annehmen?"
Das ist richtig, aber wenn man in Deutschland lebt, muss man doch ständig irgendwelche Formulare ausfüllen, in dem der Platz für den Nachnamen nicht leer gelassen werden darf. Bei jeden geschäftlichen Angelegenheiten wird der Nachname nachgefragt. Überall sonst auf der Welt ist es oft analog.

Die möglichen Probleme können wirklich sehr lästig sein, wie z.B.:

  1. Die Banken sind diejenigen, die wirklich Stress machen, wenn wir Geld in einer großen Summe abheben wollen und unsere Identität nicht mit einigen Dokumenten übereinstimmt. Die Kopfschmerzen, die dadurch verursacht werden, würden sich verdoppeln, wenn die Bank im Ausland ansässig ist und keine Filiale in unserer Stadt hat, so dass es noch umständlicher ist, solche Probleme zu lösen. Wie die Krypto-Börse zum Beispiel.

  2. Es gab einige Fälle, in denen indonesische Mütter beim Einchecken am Flughafen festgehalten wurden, als sie mit ihren Kindern ohne ihren Ehemann ins Ausland reisten. Die Kinder haben nicht den gleichen Nachnamen wie die Mutter, so dass der Verdacht auf eine Entführung bestand. Die Kinder sehen ja oft nicht so asiatisch aus 😀.
    Außerdem ist eine Entführung von eigenen Kindern ist auch nicht unmöglich bei gescheiterten Ehen.
    Das passiert natürlich nicht immer, aber die Möglichkeit besteht, und ich kannte einige Leute aus der bi-nationalen Ehe-Gemeinschaft, die das tatsächlich erlebt haben. Anmerkung: dieses Problem treffen nicht nur die deutsch-indonesische Paaren, sondern auch die andere bi-nationale Paaren.

Solche Fälle könnten vermieden werden, wenn die Mutter ein vom Vater unterschriebenes Reiseerlaubnis mitbringt, aber es ist trotzdem eine lästige Angelegenheit, oder?
Außerdem, wie viele Menschen sind sich wirklich bewusst, dass sie von der Grenzpolizei daran gehindert werden könnten, mit ihren eigenen biologischen Kindern ins Ausland zu reisen? Vor allem wenn das Paar nicht mal gerade in einem Scheidungsprozess ist.

Es gibt bei einigen indonesische Frauen noch einen essentiellen Grund, warum sie den Nachnamen ihres Mannes annehmen müssen, und zwar weil ihren Namen nur aus ein einziges Wort besteht. Mein Vater, meine Onkel und Tanten zum Beispiel haben auch nur ein einziges Wort als Namen, also... was könnten sie dann als "Nachname" hier in Deutschland nehmen?

Diese Beispiele sind nur wenige von vielen möglichen Probleme.
Deshalb habe ich damals bei der Eheschließung die Erklärung unterschrieben, dass ich den Nachnamen meines Mannes annehmen möchte.

Jetzt kommen wir zum ersten lächerlichen Problem nach der Eheschließung 😁.

Nachdem ich meine Heiratsurkunde bekam, bin ich zur indonesischen Botschaft in Frankfurt gegangen, um die Heirat anzumelden und mitzuteilen, dass ich das deutsche Recht in Bezug auf den "Nachnamen" anwende.
Die Botschaft hat aber ein Thema daraus gemacht, das völlig lächerlich klingt.
Sie sagten, dass ich meinen Namen verloren habe und jetzt nur noch den Nachnamen meines Mannes als Identität benutzen kann LOL. Nehmen wir an, der Nachname meines Mannes ist "Mustermann", also ist mein Name jetzt nur noch ein einziges Wort "Mustermann", ohne Vornamen.
Mein ursprünglicher Name besteht aus 3 Wörtern und die Botschaft behauptete, sie seien alle weg.

Eine Aussage, dass sie die Annahme des Familiennamens des Ehegatten ohne Gerichtsbeschluss nicht anerkennen können, könnte ich ja noch verstehen, aber doch nicht die Aussage, dass ich meinen Namen komplett verloren habe 😅.

Ihre Begründung war, dass der Standesbeamte alle 3 Wörter meines Namens in die Stelle für den "Nachname" geschrieben hat.
In der Urkunde sind aber nur Plätze für "Nachnamen" vor und nach der Eheschließung vorhanden, deshalb hat der Beamte meinen ganzen Namen auf dem Platz für Nachnamen vor der Ehe geschrieben, da er es ja nicht einfach leer lassen konnte, sonst würde die Software das nicht akzeptieren.
Er hatte aber einen Vermerk gemacht, dass es sich um eine "Namenskette" handelt (sie gehören zusammen bzw. es gibt keine Unterscheidung zwischen Vor- und Nachnamen).
Selbst als wir ihn an diesem Tag anriefen, war er verwirrt, warum zum Teufel ich meinen Namen verliere?

Der Standesbeamte bot an, so eine Art schriftliche Bestätigung zu faxen, dass ich immer noch meinen ganzen Namen behalte und nur zusätzlich "Mustermann" als Nachnamen angenommen habe, mit der rechtlichen Grundlage, einen "Mustermann" zu heiraten. Die Botschaft wollte diese Lösung leider nicht akzeptieren.
Am Ende musste ich mit leeren Händen zurückkehren und mein Pass würde den Vermerk über die Verwendung des Nachnamens erst bekommen, wenn ich eine offizielle Bescheinigung über meinen "jetzigen legalen Namen" als Ganzes nach deutschem Recht bekommen würde.

Nun hätte ich nie erwartet, dass ich das analoge Problem nach fast 12 Jahren noch einmal erleben würde.
Vor ein paar Wochen brauchte ich einen neuen Reisepass und ging wieder zur indonesischen Botschaft in Frankfurt, um ihn zu beantragen. Zehn Tage später war mein Pass fertig und wurde endlich per Post zugestellt. Danach war ich total schockiert, dass in meinem Pass kein Vermerk über den Nachnamen war, obwohl ich mir das extra hatte bestätigen lassen, dass das gemacht werden wird. Nach diesem Haufen von Papieren können sie immer noch Fehler mit meinem Namen auf dem Pass machen und ich habe immerhin diese Probleme bereits 3 Mal durchgemacht, da ich meinen Pass dort 2 Mal verlängern ließ.
Also musste ich ihn zur Korrektur nach Frankfurt wieder zurückschicken. Das ärgerlichste ist, dass ich bereits einen Termin mit dem deutschen Beamten gemacht hatte, um meinen elektronischen Aufenthaltstitel zu verlängern.

Mein Aufenthaltstitel ist zwar unbefristet aber die eAT ist nur mit einem gültigen Reisepass verwendbar, deshalb muss ich auch alle 5 Jahre den hohen Preis für eine neue eAT bezahlen, selbst wenn die Karte ursprünglich 10 Jahre Gültigkeitsdauer hat.
Außerdem hatte ich noch einen weiteren Termin, bei dem ich meinen Reisepass vorlegen musste. Ich konnte nur hoffen, dass der neue Reisepass bis dahin bereits korrigiert ist und bei mir eintrifft.
Eigentlich hatte ich sogar vor, eine Kreditkarte bei Binance zu beantragen, aber dann musste ich auch diesen Antrag absagen.

Naja... zumindest haben mir die deutschen Beamten am Telefon versichert, dass ich mir nicht so viele Sorgen machen muss. Sie sagte mir, dass wir einen neuen Termin vereinbaren können, falls mein Pass bis zum Termin noch nicht ankam. Wenn ich doch dringend reisen muss, kann ich einfach meine alte Karte und meinen alten Pass mitnehmen, dann die Sachlage erklären, falls ich von irgendwelchen Beamten zurückgehalten werde.
Es wird keine ernsthaften Probleme geben.
Wenn der Beamte mehr Sicherheit braucht, kann er einfach die Ausländerbehörde anrufen, um das zu klären. Sie glaubt aber nicht, dass so etwas passieren wird, da auf meinem eAT offensichtlich steht, dass ich eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung besitze.

Nun... genug geschimpft für heute, verzeiht mir, wenn ich eure gute Laune damit verderbe.
Habt einen schönen Tag und danke für die upvote :)!

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