Kommunikations-Experte Dr. Roman Braun: So werden wir betrogen und gelenkt

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Der Kommunikationsexperte, Psychologe und Pädagoge Dr. Roman Braun ist NLP-Mastertrainer und schult Spitzenpolitiker und Top-Manager in ihrer Rhetorik. Er war oft genug an Propaganda beteiligt, um zu wissen, wann sie passiert – und vor allem, um zu wissen, was noch auf uns zukommen wird. Im „AUFrecht AUF1“-Interview bei Elsa Mittmannsgruber erklärte er die perfidesten Mechanismen, mit denen die Mächtigen die Menschen beeinflussen.

  • Gute Propaganda ist nicht auf den ersten Blick erkennbar
  • Methode des „Pre-Teaching“: Unbeliebte Absichten werden vorbereitet, indem man sich zum Schein von ihnen vorab distanziert – im Kombination mit Salami-Taktik
  • „Pre-Framing“: Menschen wird erzählt, wie sie ein Ereignis einordnen sollen – alle anderen bekommen den Stempel des Verschwörungstheoretiker
  • Durch Atomarisierung wird Widerstandspotenzial gebrochen: Die Menschen sollen sich alleine vorkommen, glauben bei Unwohlsein sei etwas falsch mit ihnen
  • Komplexe Täter/Opfer/Retter-Beziehung erlaubt des den Mächtigen, bestimmte Bedrohungen zu erschaffen
  • Widerstand schwierig, da Eliten heute an einem Strang ziehen – aber möglich

Gute Propaganda auf den ersten Blick nicht zu erkennen

Manipulation beginnt im kleinen, privaten Raum – und ist alltäglich. Man versucht, seine Mitmenschen zu überzeugen, diese wägen ab und rechnen damit. Zur Propaganda wird Manipulation also erst, wenn sie sich gegen unsere Glaubenssätze richtet, also um Strukturen, die sich nicht nach dem Tagesgeschäft richten, sondern unsere grundsätzliche Meinung und Einstellung zu wichtigen Themen betreffen. Ziel der Propaganda ist, „diese grundsätzlichen Einstellung zu verändern, am besten dauerhaft und zu Gunsten von jemandem, der weiß, was er tut, und sich Vorteile davon erhofft“, erklärt Dr. Braun die Gefahr.

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Problematisch ist, dass gute Propaganda nicht als solche erkennbar ist. Um sie zu entlarven, muss man zuerst spüren, dass überhaupt versucht wird, die Grundeinstellung zu ändern – und man muss tatsächlich um sich blicken. Menschen, die bereits kritisch sind und ahnen, dass „die da oben“ nicht immer nur das Beste will, seien somit eher prädestiniert zu erkennen, zu wessen Vorteil und mit welcher Absicht etwas geschieht. Der Mensch neige zudem dazu, zu wollen, dass sich die Dinge nicht ändern. Aus diesem Grund dürften die Eliten nicht mit dem Vorschlaghammer vorgehen: „Man darf nicht sagen, ab heute ist alles anders.“ Dabei behelfen sich die Mächtigen unterschiedlicher Mechanismen.

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Subtile Salamitaktik: Ankündigung der „Scheibchen“

Eines dieser Propaganda-Mittel ist das sogenannte „Pre-Teaching“. Das funktioniert laut Braun wie folgt: „Ich bringe vorher schon einmal das Szenario ein, das ich später umsetzen möchte, distanziere mich aber noch davon.“ Dadurch trete ein Konzept in die Gedanken- und Gefühlswelt der Menschen – und wenn es dann gilt, ist es für sie kein Neuland mehr. Der Experte illustriert dies an einem abstrakten Beispiel: Sage man Menschen, sie sollten sich genau jetzt keinen rosa Elefanten vorstellen, der durch eine grüne Wüste läuft, würden sie sich genau das vorstellen.

So funktioniere die menschliche Psyche: „Wir sind konkret fühlende, denkende Wesen und wir reagieren auf Sprache. Wenn ich ein Wort sage, entsteht ein Bild und ein Gefühl dazu.“ In der Fachsprache spricht man von einer „semantischen Reaktion“. Dies sei seit anderthalb Jahren gut eingesetzt worden, um Freiheiten abzubauen: „Diese Salamitaktik ist dadurch noch subtiler, weil ja zuerst angekündigt wird, welches Scheibchen wir wegschneiden.“

Ein Beispiel einer solchen Aktion sei die ursprüngliche Ablehnung von Sebastian Kurz zu Gesichtsmasken gewesen – ehe vermeintlich plötzlich die Kehrtwende kam. Braun hält dies nicht für ein Umdenken, sondern für Absicht, um die Bürger vorzubereiten: „Hätte er das Pre-Teaching nicht gemacht, wäre der Aufruhr viel größer gewesen.“

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Die große Vernaderung: Kritiker werden abgestempelt

Die zweite große Taktik, die zum Einsatz kommt, ist das sogenannte „Preframing“ – in Anlehnung an den Begriff des „Reframings“, bei dem Akteure gewisse Aussagen nachträglich umdeuten, etwea um einem möglichen Aufschrei zu entkommen. Auch bei dieser Methode werden mit der menschlichen Psyche gespielt. Schon vor Jahrzehnten habe der US-Kriegspropagandist Harold Laswell gesagt: „Was die Leute am liebsten wissen wollen, ist, was sie denken sollen, wenn sie nicht wissen, was sie denken sollen.“

Die Mächtigen würden dem Volk also erklären, wie sie eine unvorhergesehene Lage einordnen sollen. Ein Mustereispiel sei hier die Reaktion des früheren US-Präsidenten George W. Bush auf die Vorfälle vom 11. September 2001. „Der hat am gleichen Tag noch gesagt: Das war ein Angriff auf die USA durch islamische Verschwörer. Und wer etwas anderes behauptet, ist Verschwörungstheoretiker“, erinnert Braun. Durch die Vorgabe der von der Obrigkeit erwünschten Bewertung wurden bekanntlich tatsächlich alle, die alternative Theorien einbrachten, mit dieser Zuschreibung gebrandmarkt.

In der Folge bilde sich eine Art „Immunsystem der Meinung“: Wer mit anderen Informationen als den vorgegebenen ankommt, bekommt schnell diesen Stempel verpasst, jeder Einwand prallt an einer Wand ab. Auch in der aktuellen Krise sei dies offenkundig. Obwohl Bill Gates von Anfang an von der Impfung der gesamten Weltbevölkerung sprach und dass die Pandemie uns vier Jahre lang beschäftigen würde, wollten viele es nicht wahrhaben. Wer später auf diese Aussagen verwies, stieß wegen der von der Propaganda vorgefertigten Meinung auf taube Ohren, galt als Verschwörungstheoriker.

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Atomisierung nach dem Prinzip „Teile und Herrsche“

Zudem setzen die Mächtigen auf das „Teile und Herrsche“-Prinzip. Den Bürgern redet man ein, es sei ihr eigener Fehler, ihre eigene psychische Schwäche, mit Maßnahmen unzufrieden zu sein, Widerstand wird zerstreut: „Es wird dieses Unwohlsein, das wir gemeinsam haben könnten, das eine Basis sein könnte für einen Volksaufstand, atomisiert, individualisiert und pathologisiert“. Diese Taktik falle auf fruchtbaren Boden. Anstelle identitätsstiftender, einender Werte seien über die Konsumschiene konkurrierende „Fehlidentitäten“ aufgebaut worden, mit denen die Menschen polarisiert werden.

Damit einher geht die Schaffung öffentlicher Feindbilder. Hierbei bedienen sich die Eliten einer Drama-Dynamik, die bereits die USA in ihrer Außenpolitik einst perfektionierte: Ein Täter wirkt auf sein Opfer ein, dieses sucht sich seinen Retter, der in der Folge selbst zum Täter wird – und der ursprüngliche Täter zum neuen Opfer. In die Täter-Ebene könne man Beliebiges projizieren, dies passiere ständig: Man wird zum bösen Klimasünder oder Virenüberträger, die Mächtigen werden zum ausgelagerten „Über-Ich“, das dann den Einzelnen mittels Maßnahmen in die Schranken weist. Derzeit erlebe man, dass man in einem Land mit dieser Erzählung alles Mögliche durchsetzen kann.

Bildet sich Demokratieblase?

Sich dagegen zu wehren, werde immer schwieriger, da die Elite heute homogen sei und an einem Strang ziehe. Gleichzeitig kostet die Unterdrückung und Kontrolle der Menschen wenig, weil sie heute digital vonstatten gehen kann. Durch die ständige Überflutung mit Konsumanreizen und Info wird das Entstehen neuer „Demokratieblasen“ schwieriger, in ihrer Ablenkung warten die Menschen auf die nächste Scheibe an Freiheit, die man wegnimmt. Hoffnung gebe es trotzdem – solange eine Basis das Bewusstsein habe, bleibe eine Wende irgendwann greifbar.


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